Ich kann auf die Chance nicht verzichten, dass jemand durch eine vernünftigere Umgangsweise die MS günstig beeinflussen kann. Ich muss darauf bestehen, denn sonst hätte ich ja nichts!
Boggy, lieber Boggy, merken Sie denn gar nicht, dass wir einer Meinung sind?
W.W.
Das könnten wir vielleicht sein, wenn Sie endlich sagen würden, was denn konkret eine "vernünftigere Umgangsweise" mit der MS sein soll.
Das könnte man dann diskutieren, bestreiten, belegen oder auch nicht, oder widerlegen und die Widerlegung belegen etc.
Ich halte - mit Stefan - die Frage, welchen Einfluß wir tatsächlich auf unserer MS haben, für völlig ungeklärt bzw. offen.
Man kann 'Glück' und 'vernünftige Lebensweise' nicht definieren, dennoch schwebt mir ganz persönlich etwas sehr Konkretes vor, wenn ich von so etwas spreche:
- Wenn jemand unglücklich verheiratet ist, wenn ihn also der Lebenspartner belügt und betrügt, dann scheint er 'anfälliger' für Krankheiten zu sein, weil sein nächster Freund oder seine nächste Freundin ihn verrät.
- Wenn jemand im Haus der Schwiegereltern lebt, die ihn bevormunden und denen er nichts recht machen kann, dann wird ihm oder ihr das die Lebenskraft und die Lebensfreude rauben.
- Wenn jemand im Beruf keine Anerkennung findet und andere ihm (ihr) vorgezogen werden, weil sie hübscher und klüger und wortgewandter sind, dann wird er mit sich unzufrieden sein und eingehen wie eine Blume, die kein Licht bekommt.
- ... Ich könnte das noch lange fortsetzen, denn ich weiß nicht, wie man das individuelle Unglück eines Patienten in Worte fassen kann, aber hinzu muss kommen, dass man über lange Zeit unglücklich ist, und zum dritten, dass es keinen Ausweg zu geben scheint.
Das sind die drei Faktoren, die meiner Meinung nach zusammenkommen müssen, damit ein Mensch in eine Situation gerät, wo er verkümmert und krankheitsanfälliger wird. Ich meine auch, dass diese Bedingungen dazu beitragen können, dass eine in ihm schlummernde Krankheitsbereitschaft zum Ausbruch kommt.
Aber wenn ich das so schreibe, scheine ich etwas zum Ausdruck zu bringen, was ich gar nicht will. Denn natürlich sind wir den Umständen nicht ausgeliefert, aber es kann doch passieren, dass wir unterliegen und immer schwächer werden.
Sie vergessen ganz und gar, wieviele von uns, gerade, wenn wir schon länger MS haben (wie ich), so unendlich viel ausprobiert haben, um unseren MS-Verlauf günstig zu beeinflussen, und die, denen es relativ gut geht, wissen nicht, was gewirkt hat, und ob überhaupt,
und die, denen es deutlich schlechter geht, wissen auch nicht, wieso.
Ein sehr persönliches Bekenntnis: Wenn ich weiß, dass mich meine Frau liebt, kann es mir nicht immer schlechter gehen. Aber das ist kein logischer Satz, sondern entspricht eher dem, dass es einem hilft ein fröhliches Herz zu haben. Ich glaube, es hilft wirklich, weiß aber ums Verrecken nicht, wie man sich so ein Herz verschafft!
Wir tun einfach unser Bestes, und das reicht nicht unbedingt immer ... aber mehr geht halt nicht ...
Damit leben wir.
Ich glaube, das ist meine Arroganz! Die Arroganz eines Menschen, der sich immer geliebt und geschätzt wusste, auch wenn er nicht immer geliebt und geschätzt war.
W.W.