ich halte nicht viel von Sloterdijk.
Ich habe mir u.a. sein Buch "Du mußt dein Leben ändern: Über Anthropotechnik" angetan, und fand es unterm Strich ziemlich hohl. Viel ausuferndes Gerede.
Komisch, dass Sie das gerade schreiben! Ich komme eben vom Schwimmen (was ich eigentlich nur tue, um hinterher auf dem Liegestuhl etwas zu lesen) und hatte agnos Anregung ernstgenommen und las ein Interview mit Sloterdijk.
Ich habe ihn auch nie gemocht, aber das Interview gefiel mir!
Am Rande: Das finde ich so schön an diesem Forum, dass es mich dazu bringt, Dinge zu lesen, die ich sonst nie lesen würde! Und (auch am Rande): Wenn ich hier relativ viel schreibe, dann vor allem deswegen, weil ich Artikel über die MS verfasse und hier immer ausprobiere, wie sie ankommen!!!
Ich merke an der wüsten Kritik oder einer eher schweigsamen Zustimmung, was man schreiben kann und was nicht.
Nun zur Psychosomatik. Vielleicht darf ich etwas ausholen?!
Ich persönlich habe panische Angst davor, dass eines schönen Tages herauskommen wird, dass die wirkliche Ursache der MS einer der hunderttausend Darmkeime sei. Ich finde diese Gedanken abscheulich und lehne ihn deswegen auch ab. Aber mit der Hypothese von Professor Harald zur Hausen ist es anders. Ich will erklären, warum.
Nachdem ich vor 40 Jahren begonnen habe, mich für die MS zu interessieren, habe ich 3 Entwicklungsschritte gemacht:
1. glaubte ich, dass der Breitengradeffekt darauf beruhe, dass es im Norden und Süden kälter ist als am Äquator. Das schien mir darauf hinzudeuten, dass es Erreger gibt, die sich dort, wo es kühler und feuchter ist, wohler fühlen als in heißen Regionen.
2. habe ich irgendwo gelesen, dass ein amerikanischer Neurologe (Prineas?) eine Kiste besten französischen Champagners dem versprach, der ihm einen MS-Patienten ohne EBV-Antikörper präsentiere! So kam ich zur EBV-Stress-Hypothese und propagierte sie eine Zeitlang. Kurz gesagt: Unter Stress entsteht im Gehirn ein Protein, dass eine Amonisäurekette hat, die an 7 oder 8 Stellen mit der Kapsel des EBV identisch ist.
Unter Stress entsteht im Gehirn also ein Protein, dass fälschlicherweise von unserem Immunsystem als ein aktives EBV verkannt wird.
3. Auch das hat sich anscheinend nicht bestätigt. Deshalb finde ich die EBV-Hypothese von Harald zur Hausen nachdenkenswert. Ich verstehe sie (mit Ulmas Hilfe) so: Es gibt Zellen im ZNS, die sind mit zwei Viren infiziert: mit EBV und einem noch unbekannten Erreger. Wenn ein Mensch wenig Sonnenlichst abbekommt, entsteht ein Vitamin D-Mangel und dieser führt zu einem Anstieg von TGF.
TGF fördert einerseits die Reaktivierung von EBV, wird aber auch bei der Vervielfältigung des unbekannten Virus verbraucht. Dieses entsteht dann in einer Menge, die zu einem Untergang der befallenen Zellen (z.B. Oligodendrozyten) führt.
W.W.
PS: Noch einmal zur Entschuldigung: Ich habe dies geschrieben, um daraus eventuell ein Kapitel für die Neuauflage zu machen.