Wahl der Wertschätzung (Allgemeines)
Für die Menschen im Mittelalter gab es den Begriff der Gesundheit nicht. Die Gebrechen, Krankheiten waren sichtbar, das war wohl normal. Auch gab es die moderne Medizin nicht und der Mensch war nicht viel wert (u. a. Leibeigenschaft).
In unserer Gegenwart wird alles bestimmt vom Funktionieren, Konkurrieren und Vergleichen. Alles unterliegt dem ökonomischen Prinzip, dem Prinzip der Verwertung. Ist der Mensch gebrechlich oder krank, ist er für unsere moderne Welt nicht mehr wertvoll bzw. verwertbar. Eigentlich müsste er ausgemustert werden.
Heil zu werden ist sicher ein Wunsch jedes Menschen, ich denke mal das kommt aus der Religion und wird gut in die Gesundheitsdiskussion eingebracht.
Das glatte, jugendliche Äußere, die egalitären Körper und Gesichter derer die sich anpassen und möglichst gesund sein wollen bis zum Tod, spricht Bände. Das Sein ist Schein und Marketing. Auch die Krankenkassen nennen sich Gesundheitskassen, was soll das eigentlich. Trotzdem explodieren die Kosten für das "Gesundheitssystem". Verdrängung ist alles, der Tod ist ein Tabu, wie die Behinderung und die Auseinandersetzung mit schweren Erkrankungen. Grüße Jakobine
Hallo Jakobine;
Vielen Dank für Dein Statement.
Für unsere Zeit ist mir das zu eindimensional.
Teilweise hast Du ganz sicher recht, und auch hier wird vielfach von Heilung geträumt, eine Form von Psychosomatik propagiert, die sehr holzschnittartig in Gut und Böse, gesund und krank unterscheidet, aber, es gibt auch andere Welten, und z.B. in der Reha habe ich erlebt, dass diese Vergleichsaspekte deutlich in den Hintergrund getreten sind.
Gerade die SchlaganfallspatientInnen, die zählten zu jenen, die das überhaupt überlebt hatten, (sehr viele andere haben das nicht...), und so haben sich die Perspektiven wohl etwas verschoben.
Das Sein als Schein, wir könnten es auch schon erfahren haben, so eine Show, da wird der Mensch schnell zum Hamster im Rad. Wachkoma, sich ganz zu befreien ist wohl sehr schwierig, aber gewisse Freiheitsgrade schaden da selten 
Zudem sind in einer kapitalistischen Gesellschaft auch Konsumenten nützlich, d.h. es braucht Abnehmer für all die Produkte, und hier und da wird ja schon (wieder/öferts)Helikoptergeld thematisiert, Hauptsache der Konsum gerät nicht ins Stocken...
Ich "konsumiere" Begegnungen, Ideen, Texte, Musik.. soo viele interessante, attraktive Menschen, und ob nun "behindert" oder nicht, ..., das spielt da für mich keine große Rolle mit meinen gefühlt 93 Jahren oder so... und eine gewisse Wahl haben wir schon was unsere Einschätzung und Wertschätzung für andere Menschen angeht
