Mit Hilfe meiner Freunde: den Kreis meiner eigenen Traumpfade verlassen (Gastkommentar) (Allgemeines)
Das wirklich wertvolle an solchen Aktivitäten und meinen Machenschaften für mich hier sind die Rückmeldungen, die mich so erreichen und treffen, und nach Rücksprache mit "karo aus dem DMSG Forum" wurde mir erlaubt, folgenden Text hier zur Verfügung zu stellen.
Ich danke herzlich
stefan
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"vielleicht noch ein Gedanke zu den Göttern und Dämonen, anhand einer Bemerkung zu den australischen Aborigines, die ich wohl bei Umberto Eco gelesen habe, so ganz genau weiß ich nicht mehr, ob er es war, aber es würde jedenfalls zu ihm passen.
In der Bemerkung geht es um die Macht der Überlieferung in schriftgebundenen (europäischen) und schriftlosen Kulturen, zu denen auch die Aboriginies gehören. Diese Menschen, so ?Umberto Eco, seien 10.000 Jahre lang auf ihren Traumpfaden (dreaming tracks) durch die Wüste gelaufen, immer nur in denselben Kreisen, und haben sich dabei und wieder ihre Traumgeschichten erzählt, durch welche die Welt und sie selbst allererst entstanden sein sollen.
Nur so, in diesem immerwährenden Schöpfungsakt, konnten sie sich überhaupt als lebendig erfahren; ein anderes kulturelles Gedächtnis hatten sie nicht, keine schriftliche Überlieferung. Zehntausend Jahre lang immer dieselben Songlines erzählen und auf den dreaming tracks erleben - bei Temperaturen von 60 °C ohne Schatten, verhungert, verdurstet, von Giftschlangen gebissen, Skorpionen gestochen und qualvoll im glühend heißen Sand verreckt.
Dabei, so ?Umberto Eco, hätten sie nur mal ein paar Schritte von ihrem Traumpfad abweichen und einfach nur geradeaus gehen müssen statt ständig dieselben Kreise ziehen - dann wären sie nämlich an der Nordküste gelandet, in einer Gegend mit angenehm mildem Klima, mit Süßwasser, welches als Regen direkt vom Himmel fällt, der Tisch des Meeres reich gedeckt ... sie hätten nur die Hand ins Meer halten müssen, ein Netz auswerfen, und schon hätten sie wohlschmeckenden Fisch in beliebiger Menge aus dem Wasser ziehen können, und niemand hätte Not leiden oder gar sterben müssen.
Nur war das eben nicht möglich, der Preis war hoch, es hätte nämlich ihren Tod bedeutet, denn sie hätten sich und ihre Welt nie erschaffen können, wenn sie sich aus dem Bann ihrer dämonischen Überlieferung gelöst hätten.
So ähnlich wie dieser walkabout auf immer denselben ausgelatschten Traumpfaden kommen mir die Ufos und andere Foren auch vor - nur dass es vielleicht genau anders herum ist, wenn man sich nach der MS-Diagnose für das Schreiben in einem Forum entscheidet: Wer sich auf der Suche nach einer "MS-Identität" in ein Forum begibt, verlässt die angenehme Nordküste und begibt sich mit den songlines auf die dreaming tracks und kann sich irgendwann aus ihrem Bann kaum noch lösen. Vielleicht nur mit einem neuen - zB hypnotherapeutischen - Bann? (Ich denke, das kann durchaus eine Intervention sein, die neue Wege eröffnet.)
Soweit erst mal, ich fand diesen Gedanken zur Macht kultureller Überlieferung - Bann? Fluch? Segen? Tod? Leben? - und zur Frage, ob und wie man seine eigenen Traumpfade verlassen kann, sehr interessant." (karo)
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Sonne auf dem Balkon oder Körbchen