Lieber Herr Dr. Weihe (ich vermute das Sie es sind:)), es erfreut mich sehr Ihre Beiträge zu lesen! Ich habe schon sehr vieles von Ihnen durchforstet und empfinde bei Ihren Zeilen allgemein sehr viel Neutralität, Diplomatie und fachliches Wissen selbstverständlich.
Zur Enttäuschung muss ich sagen, nein ich habe keine Idee was die Ursache der MS sein könnte und es wird wohl so sein wie sie sagen bzw. wie es sich allgemein mit vielen Krankheiten verhält, dass es ein Geflecht von Ursachen gibt. Ja man muss viel Pech haben um eine leibhaftige MS zum Ausbruch zu bringen. Es wird so sein wie bei Krebs, Ursachen manifestieren sich, schlummern und ein Trigger führt dann zur Diagnose. Jedoch bedenke man wie viele Menschen Krebs haben und wie viele MS, letzteres ist dann doch die besondere Krankheit, jedoch die weniger gesellschaftsfähige. Es soll kein Sarkasmus sein, doch auffällig genug ist es wie wenige Menschen wissen was MS ist und dies ist frustrierend.
Nun zu mir, ungewöhnlich war es für mich im Besonderen, da ich exakt zu meinem 46. Geburtstag die Diagnose bekam und hier schon mal rein altersmäßig nicht in die Statistik passe. Bis zu meinem 45er war ich sportlich, ernährte mich seit eher gesund, war lebensfroh, gesellschaftsfähig und ließ auch keine Feierlichkeiten aus. In der Arbeit wie privat immer ein Perfektionist. Ich war vielleicht 3mal im Leben im Krankenstand, daran kann ich mich nur erinnern, da das 1.Mal (2001) massiv war mit 2 Liter Eiter im Bauch, eine Sepsis knapp dem Tode entgangen und das letzte Mal im November 2014 mit 40 grad Fieber-hier begann auch die wirkliche Tragödie meines Schicksals schleichend.
Meine ersten Schmerzen hatte ich stark nach oder während der Trennung mit meinem Partner im Frühjahr 2014, es waren Leistenschmerzen-ein stechendes Ziehen in der Leiste, sobald ich länger sass und dann aufstand und ging. Es dauerte einige Meter bis ich vom schmerzvollem Humpeln wieder normal gehen konnte. Im August 2014 ging ich aufgrund dessen zum Orthopäden (auch weil Schulterschmerzen dazukamen). Der Arzt meinte ich sei zu "rechtsdominant" (weil ja die ganze Symptomatik rechtsseitig war). Ok. Also ich war zu rechtsorientiert-als jemand der zu viel Gefühle hat. Toll. Nach Wochen kamen so schlimme Krämpfe im rechten Fuß dazu, dass ich früh morgens ins Spital ging. Ein Neurologe untersuchte mich und verschrieb Magnesium.
Nov 2014, ein neuer Partner seit Monaten, ich mache mich selbständig. Ich bekomme dieses hohe Fieber und bleibe im Bett, konsultiere keinen Arzt. Dann Weihnachten 2014 bei meiner Mutter und ihrem schwerkranken Mann (Darmkrebs-Endstadium). Es war anders als alle Weihnachten zuvor, etwas undefinierbares lag in der Luft. Mein Partner bekam einen kleinen Hubschrauber mit Fernsteuerung geschenkt und probierte diesen sofort aus. 1.Flug gegen den Christbaum, gegen einen Engel, der Engelskopf rollt zu Boden....Starre im Raum.
Am 03.01.2015 nahmen sich meine Eltern gemeinschaftlich das Leben im Hotel Nike (Nike der mythische Engel ohne Kopf). Ein perfekt geplanter Suizid, wie sich im Nachhinein herausstellte. Von diesem Zeitpunkt an blieb das Leben für mich stehen. Ich habe eine Tochter mit 23 Jahren und ihr erging es nicht anders, es entzog uns Glauben, Freude, Vertrauen....
Meine Tochter hatte im Februar ihre letzte Jura-Prüfung und fiel durch, im Mai ging sie dann 3 Wochen auf Reise und ich hatte solche Angst es könne etwas passieren...permanente Angst, als sie vom Flughafen Moskau anrief und meinte wegen Sturmböen starte das Flugzeug nicht,
überkam mich ein Schwindel auf offener Straße, mein rechter Fuß begann zu lahmen....ich konnte nicht mehr. Ab ins Krankenhaus, Neurologe meinte sofort stationär bleiben wegen Knirpstest, etc. auffällig. Ich konnte nicht, mochte diese Sorgen meiner Tochter nicht noch antun wenn sie zurückkommt von ihrer Reise und die Mutter im Spital. Ich verschob den stationären Termin um 14 Tage.
Nach 1 Woche auf der Neuro-ging ich mit dem Geburtstagsgeschenk MS nach Hause.
5 Tage darauf meine Tochter springt im Freibad vom 10 Meter Turm und bricht sich den 12.Brustwirbel...4 Monate Stahlkorsett. Ihr Freund verlässt sie. Vollgepumpt mit Cortison, ging ich wieder ins Spital, weil mein rechter Fuß wieder lahmte-man wollte mir dann kein Cortison mehr geben. Ja und so geht es lähmend weiter...und das Schicksal gab keine Ruhe.
Dezember 2016: Ich bin nach wie vor selbständig, mein Partner übernimmt 2/3 der Arbeit, meine Tochter hat ihr Jurastudium längst beendet und der Brustwirbel ist gut geheilt.Sie hat einen neuen lieben Freund.
Ich kann immer noch nicht ganz gerade gehen mit meinem rechten Fuß, leide unter Schwindel auf der Straße oder unter Menschenmengen, meinen rechten Zeh kann ich nicht mehr knicken.
Meine Basistherapie mit Tecfidera habe ich nach 1 Jahr im August 2016 abgebrochen (mein Neurologe schmipfte sehr).
Mein MR von letzer Woche zeigt keine neue Dynamik.
GlG:)