Ja, ich habe den Mund zu voll genommen, und gestern habe ich mich im Ton vergriffen. Man müsste so ausgewogen schreiben können wie Jutta Scheiderbauer! Ja, das denke ich auch.
Und gleichzeitig denke ich: Sie kommt damit nicht durch!!! Seit vielen Jahren gibt es gute Argumente gegen die übermäßige Anwendung von Cortison und gegen die möglichst frühzeitige Basistherapie, und sie sind ruhig und sachlich vorgetragen worden, aber es war wie Blowing in the wind. Das hat mich gestern so wütend gemacht: Dass jemand so ruhig und vernünftig sein kann wie Jutta, aber sie wird niedergemacht.
Viele werden jetzt vielleicht sagen, sie sei gar nicht niedergemacht worden, und man habe sie höflich zu Wort kommen lassen. So verschieden kann die Wahrnehmung sein. Ich dachte an eine Adelsgesellschaft, in der sich ein Bürgerlicher zu Wort meldet, und dass man ihn, weil man gute Sitten verfügt. zu Wort kommen lässt, auch wenn man eigentlich pikiert ist.
Aber vielleicht ist das eine bösartige Unterstellung, für die ich mich entschuldigen sollte. Alle waren doch so nett! Ja, ich fand sie alle schrecklich nett! Und das ist ein großer Teil der Hilflosigkeit, die ich gegenüber solchen netten und gebildeten Menschen verspüre. Ich merke, wie wenig nett ich selbst bin, aber auch, wie sehr sich die anderen bemühen, nett zu sein.
Habe ich etwas Konstruktives anzubieten? Es sind doch gerade diese netten und gebildeten Menschen, die gut mit anderen Menschen umgehen können, die einen guten Eindruck machen, die viel gelesen und geforscht haben, die für die MS-Betroffenen so wichtig sind.
Sie sind keine Umstürzler, die das Kind mit dem Bade ausschütten, sondern bedächtige Menschen, die wissen, von was sie reden. Sie schimpfen nicht und reden nicht einfach so daher. Und sie haben Ahnung!
Was könnte den MS-Betroffenen Besseres passieren? Ärzte, die sie ernst nehmen, die Ahnung haben, die über gute Umgangsformen verfügen. Und denen wollte man vorwerfen, dass sie Vortragshonorare bekommen, in guten Hotels übernachten und sich zum Essen einladen lassen? Würden sich die MS-Betroffenen nicht einen Bärendienst erweisen, wenn auf diese Meinungsmacher verzichten wollte?
Gut, sie unterstützen eine bestimmte Meinung und sie machen auch etwas Werbung, aber doch nicht, um Patienten in die Irre zu führen, sondern ganz im Gegenteil, um Patienten an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. Und wenn sollte es stören, dass sie dafür etwas Geld bekommen?
Und gerade diese Menschen sollten führende Stellen in ärztlichen Gesellschaften und der DMSG haben. Doch nicht diese Stegners und Grantler, denen man sowieso nichts recht machen kann.
Und sie sind natürlich keine 'betrogenen Betrüger', wie ich mich gestern habe hinreißen lassen zu sagen. Sie 'betrügen' nicht, denn sie vertreten ja nur ihre eigene Meinung, und 'betrogen' werden sie ja auch nicht, denn sie sind klug genug, um zu wissen, was sie tun.
Ich nehme also meine Beleidigungen zurück und hoffe, es ist noch rechtzeitig, denn es handelt sich sicher um justiziable Äußerungen, die ich nicht belegen kann. Es ist diese Hilflosigkeit, die mich so rasend macht!
W.W.