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vom unselbstständigen Umgang mit der Gesundheit des modernen Menschen (Therapien)

agno, (vor 3120 Tagen)

Naja, in meiner grenzenlosen Begeisterung über den Text, der eigentlich nicht unter eine spezielle Therapie gehört, sondern alleinstehend für sich zum unselbstständigen Umgang mit der Gesundheit des modernen Menschen

https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Bobath-Konzept#Bobath:_Therapie_ohne_nachgewie...

Dieser Text steht unter: CC-by-sa 3.0

Es stimmt, daß oft banale Dinge unnötig medikalisiert werden mit Mitteln, die bestenfalls Plazeboeffekte erzielen. Das trifft nicht nur auf Kinder zu, die Medikamente bekommen, obwohl auch Schonen, Hausmittel und Abwarten genau so gut helfen würden, sondern natürlich auch auf die Behandlung Erwachsener. Selbstverständlich würde die Anwendung von Hausmitteln zum Beispiel durch die umsorgende Mutter auch einen Plazeboeffekt auslösen. Dieser allerdings wäre dann nicht an einen professionellen Behandler (Arzt, Psychotherapeut, Apotheker, Physiotherapeut, Hebamme) gebunden, sondern hausgemacht, was die Eigenständigkeit und das Vertrauen in die Selbstheilungskräfte fördert.

Ganze Placebosysteme in der Medizin, Physiotherapie und Psychotherapie dienen genau dazu, die Patienten an die Behandler zu binden und diesen den Heilerfolg zuzuschreiben: Homöopathie, viele Phytotherapeutika, Aufbauspritzen und die meisten Multivitaminpräparate, das Quaddeln, aber auch die Verschreibung verschreibungspflichtiger Medikamente, wenn diese gar nicht indiziert sind oder Off-Label angewandt werden, z. B. Antibiotika bei viraler Sinusitis oder Pharyngitis.

Viele physiotherapeutische Anwendungen gehen auch nicht über den Plazeboeffekt hinaus, "spezielle" physiotherapeutische Anwendungen, die mehr Geld bringen, wie Bobath oder Schlingentisch oder manuelle Therapie, bringen regelmäßig keine Mehreffekte, sondern bewirken nur, daß die Patienten unselbständig bleiben, denn wer hat schon zu Hause einen Schlingentisch ?

Hebammen legen den Grundstein zu dieser Entwicklung, wenn sie jeden Pups, den Mutter und Kind lassen, homöopathisch "behandeln", Kinderärzte setzen das dann fort und verschreiben tonnenweise Hustensaft, Paracetamolzäpfchen und Halsmittel gegen Wehwehchen, die noch nicht einmal einen Arztbesuch erfordern würden.

Psychotherapeuten behandeln auch gerne die banalen Störungen, weil es bequem ist, und stellen dann Diagnosen wie "Anpassungsstörung" oder "Depressive Episode". Beides sind natürlich Krankheiten im Sinne der GKV und PKV und bringen 25 bis 50 Stunden (zu je 70 bis 80 Euro). In dieser Zeit löst sich eine depressive Episode aber auch meistens von selbst, die NNT schätze ich hier auf bestenfalls 10-15.

Das Ergebnis sind abhängig gemachte Patienten, tausende vermeidbarer Todesfälle (durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen der unnötig angewandten Medikamente (Z. B. Magenblutung durch ASS oder Diclofenac)) und neue Schäden, die dadurch auftreten, daß für die vielen unnötig aufgebrachten Milliarden Euro für Versicherungs-Beiträge ja Leute arbeiten gehen müssen und dabei ihre Knochen und ihre Psyche verschleissen.
Wettig 09:28, 23. Jul. 2010 (CEST)

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Dies war ein Probe-edit vom Co-Hausmeister
Der Text entspricht jetzt zwar dem Urheberrecht, nicht aber unserem Forenstanard.
Das zitieren großer Texte (aufblasen eigener mangelhafter Texte) ist nicht gewünscht.
Wenn hier gutes wächst könnte das so stehen bleiben, ansonsten wird es kommentarlos gelöscht.

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vom unselbstständigen Umgang, des modernen Menschen, mit der Gesundheit

agno, (vor 3119 Tagen) @ agno

Der Benutzer "Wettig" aus der Wikipedia vertritt einen extremen Ansatz.
Ich verstehe ihn so, dass er meint dass nur was wissenschaftlich nachgewiesen ist, dem Kranken einen Nutzen bringt.
Er stellt Selbstständigkeit über Hoffnung.
Ich bin zerrissen zwischen seiner mir sehr zusagenden Logik und der Erfahrung dass mir zeitweise Placebos aus tiefen Tälern geholfen haben.
l.G. agno

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vom unselbstständigen Umgang, des modernen Menschen, mit der Gesundheit

W.W., (vor 3119 Tagen) @ agno

Ich glaube, dass es keine Placebos geben darf! Denn dann würde ja die Lüge zur Weltordnung.

Wenn jemand sagen würde: 'Ich bin mir ziemlich sicher, dass Betaferon ein Placebo ist, trotzdem nehme ich es, weil es mir hilft!', so würde ich sagen, so etwas dürfe man nicht sagen, denn es nicht nur irrational, sondern es ist nahe daran, kriminell zu sein.

W.W.

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Der moderne Mensch war ich - vor 35 Jahren...

jerry, (vor 3119 Tagen) @ W.W.

Ich glaube, dass es keine Placebos geben darf! Denn dann würde ja die Lüge zur Weltordnung.

Hallo W.W.,

steht Ihre Aussage nicht im Widerspruch zu dieser hier?

Zu Beginn meiner bewusst erlebten, also endlich diagnostizierten MS fand ich einen gütigen älteren Hausarzt, der - auch - sog. sanfte Verfahren einsetzte.

Im Wesentlichen tat es mir gut, nicht so unter Druck gesetzt zu werden, dass jeder Schub sogleich mit Kortison zu behandeln sei und meine Prognose im Ganzen übel...

Der Doc suchte mich ab nach Narben, Hautauffälligkeiten etc und 'quaddelte'. Unter anderem. ;-)

Dabei gab er nie vor, mich damit heilen oder einen Schub beenden zu können, sondern schien nachdenklich, selbst ein wenig auf der Suche, aber bester Hoffnung, dass man an meine Problematik auch anders herangehen könne, ich mich nicht unter Druck setzen (lassen) solle, sondern viel Zeit, Einfühlungsvermögen in meine Seelenlage und Körperlichkeit, Geduld und Vertrauen entwickeln solle, um ...

Man dürfe ja von völliger Heilung träumern! Diese sei weder ausgeschlossen noch garantiert - er wolle mir aber gern geringstenfalls dazu mithelfen, besser klarzukommen (so etwa).

Unterstützend bekam ich Gespräche mit einer empathischen 'Psychosomatikerin'.

Dies ärztliche Verhalten hat für mich nix von Lüge. Ich bin dem Mann auch heute noch sowas von dankbar! Er half mir, weg von anfänglicher Panik zu steuern und hin zu einem mehr selbstbestimmten Umgang mit meinem Krankheitserleben.

Dabei setzte er die 'Droge Arzt' sehr zurückhaltend, aber lebens- und patientenbetreuungserfahren, sehr menschlich und niemals 'zwingend' oder mit Wecken überzogener Heilserwartungen ein.

Wenn der zu mir gesagt hätte, das ist medizinisch selbstverständlich alles kalter Kaffee, was wir hier betreiben, aber irgendwas muss man ja machen. Zumal nix, auch nicht Korti, Sie heilen wird... Was dann? Er hätte sich selber enthauptet und für mich nichts Positives mehr bewirken können!

Die Lüge wird für mich an anderer Stelle zur Weltordnung.

Der Rest ist Schweigen, es ist Sonntag, mein Ältester hat gestern seinen 30. gefeiert, und ich werde ganz friedlich bleiben und nicht mal andeuten, was ich meinen könnte. flowers shades


LG, jerry

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Der moderne Mensch war ich - vor 35 Jahren...

W.W., (vor 3119 Tagen) @ jerry

Ich glaube, dass es keine Placebos geben darf! Denn dann würde ja die Lüge zur Weltordnung.


Hallo W.W.,

steht Ihre Aussage nicht im Widerspruch zu dieser hier?

Ja, das tut sie in gewisser Weise. Und ich gebe das auch zu. An erster Stelle steht, glaube ich, mein Affekt: Man darf sich nicht alle paar Tage etwas spritzen, was im Jahr 13.000 € kostet - und das als Placebo bezeichnen.

Man kann nicht sagen: Wenn es mir doch hilft, dann ist es mir egal, ob man es ein Placebo schimpft! Ein Placebo darf die Gemeinschaft nicht schädigen! Um es zugespitzt zu sagen: Ich finde es kriminell, wenn jemand sagt: 'Mag sein, dass es sich um ein Placebo handelt, aber ich nehme es trotzdem, weil ich daran glaube!' Das darf man nicht, wenn es über 10.000 € pro Jahr kostet und man es nicht selbst bezahlt. Es gehört sich nicht!!!

Und eigentlich bin ich auch davon abgerückt, Bryonia und Pulsatilla zu verordnen, wenn sie 'dumme Leute' dabei besser fühlen. Ich glaube, es gibt diese 'dummen Leute' gar nicht, sondern ganz im Vordergrund steht der Glaube an 'Mutter Natur', dem die klügsten Menschen anheim fallen können.

Ich glaube, insgesamt stimme ich dem zu, was Sie erlebt und als angenehm empfunden haben!:-)

W.W.

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Der moderne Mensch war ich - vor 35 Jahren...

moritz, (vor 3119 Tagen) @ W.W.

... , sondern ganz im Vordergrund steht der Glaube an 'Mutter Natur', dem die klügsten Menschen anheim fallen können.

da haben sie wohl recht: auch die klügsten menschen können an die wunderheilkraft von "mutter natur" glauben.

mich irritiert sehr, dass dieselben leute negieren, dass "mutter natur" auch krankheit und tod ( in 100% der fälle) kennt. für "mutter natur" ist das individuum eine quantité negligeable.

mir hilft dise tatsache, mich nicht immer wichtig zu nehmen.

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Der moderne Mensch war ich - vor 35 Jahren...

Hitman, (vor 3119 Tagen) @ moritz

mir hilft dise tatsache, mich nicht immer wichtig zu nehmen.

Das erklär mal Philipp, das begreift der nie!

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Der moderne Mensch war ich - vor 35 Jahren...

jerry, (vor 3119 Tagen) @ W.W.


Ja, das tut sie in gewisser Weise. Und ich gebe das auch zu. An erster Stelle steht, glaube ich, mein Affekt: Man darf sich nicht alle paar Tage etwas spritzen, was im Jahr 13.000 € kostet - und das als Placebo bezeichnen.

Sorry,

Ihr Gedanke, z.B. Betaferon hier als Placebo zu werten, war oben ja bereits enthalten. Hab ich absichtlich unabsichtlich (?!) überlesen...

Denn als Placebo wird ja eigentlich etwas angenommen, was keine biochemische Hauptwirkung besitzt und insofern auch keinerlei unerwünschte Wirkung.

Weder das eine noch andere trifft imho auf Betaferon zu.


Gruß, jerry

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Der moderne Mensch war ich - vor 35 Jahren...

W.W., (vor 3119 Tagen) @ jerry

Darum ging es mir nicht. Es ging mir um die nicht ganz selten anzutreffende Meinung: 'Mir hilft Betaferon. Und wenn es auch ein Placebo sein sollte, es ändert ja nichts daran, dass es mir hilft!'

Um es noch einmal und ganz deutlich zu sagen (und das würde auch auf Gelée royale zutreffen), wenn jemand sagt, es ist mir egal, ob etwas, mit dem ich mich besser fühle, eine wirkliche oder nir eine eingebildete Wirkung hat, und es kostet viel Geld, und man lässt es sich von der Solidargemeinschaft bezahlen, dann prellt man die Solidargesellschaft um viel Geld und das ist Betrug!

Ich persönlich glaube, die Betainterferone sind nicht wirksam, und wenn jemand sagt, es sei ihm egal, ob sie wirksam seien oder nicht, ihm würden sie helfen, dann ist das ein erheblicher Schaden, der der Solidargemeinschaft zugemutet wird, und der nicht hingenommen werden darf.

Meiner Meinung nach gibt es einige Hinweise, die meine Annahme bestätigen, aber ich habe das Gefühl, sie werden totgeschwiegen.

Das ist es, worum es mir geht, und weniger darum, ob Betainterferone im lexikalischen Sinn Placebos sind. Es werden teure Placebos verherrlicht, und das darf nicht sein! Es sei denn, man bezahlt sie aus eigener Tasche.

W.W.

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Der moderne Mensch war ich - vor 35 Jahren...

moritz, (vor 3119 Tagen) @ W.W.

ich denke, dass nicht viele betaferon-benutzer dieses wirklich als placebo sehen.

da ist einerseits die meinung, "was mir hilft, kann kein placebo sein, denn ich bin ja nicht blöd und falle sicher nicht auf etwas unwirksames rein", andererseits bestätigt die tatsache, dass ein medi von der solidargemeinschaft bezahlt wird, den anwender darin, dass ein derart teures medi kein placebo sein kann.

da ich der meinung bin, dass es unterschiedliche ms-ursachen gibt, könnte es sein, dass dieses interferon den einen hilft, den andern nicht.
ich weiss, sie halten nichts von der idee verschiedener ms-erkrankungen.

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Der moderne Mensch war ich - vor 35 Jahren...

W.W., (vor 3119 Tagen) @ moritz

da ich der meinung bin, dass es unterschiedliche ms-ursachen gibt, könnte es sein, dass dieses interferon den einen hilft, den andern nicht.
ich weiss, sie halten nichts von der idee verschiedener ms-erkrankungen.

Ich will das nicht bestreiten, aber es könnte sich auch um ein unendliches Rückzugsmanöver handeln und Betainterferone immer weiter auf Verdacht hin für viel Geld (und mit vielen Nebenwirkungen) verordnet werden.

W.W.

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Der moderne Mensch war ich - vor 35 Jahren...

tournesol, (vor 3119 Tagen) @ W.W.

Das ist mit allen Basistherapien so.
Ich nehme Tecfidera und es geht mir soweit gut damit, aber ob das nun wirklich an der BT liegt oder ob es mir ohne genauso gut oder schlechter gehen würde weiß ich nicht.

Was ist daran kriminell? Hätte ich erst 'mal ausprobieren müssen, ob es mir nicht auch ohne BT gut geht um die Solidargemeinschaft nicht zu schädigen? Sollte ich die BT nur machen, wenn ich sie selber bezahle, weil die Wirkung nicht nachweisbar ist? Das wäre eine 2-Klassen-Medizin. Ich hoffe, wie alle, die eine BT machen, dass sie etwas nützt, aber ich weiß es nicht.

Ich habe nicht entschieden, dass das von der Krankenkasse bezahlt wird. Ich bin auch nicht durch irgendwelche Tricks da dran gekommen. Deshalb glaube ich auch nicht, dass ich irgendwen betrüge. So läuft das nun 'mal mit Solidargemeinschaften. Soll ich ein schlechtes Gewissen haben deshalb?

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@tournesol

Philipp, (vor 3119 Tagen) @ tournesol

Deine BT Wahl berührt mich menschlich sehr, ich las staublos.


https://staublos.ch/2016/10/25/multiple-sklerose-ein-jahr-tecfidera-erfahrung/

Ich denke es ist "starker Tubak", ich hätte wohl bedenken, aber ich kann es nicht sagen, wenn ich an deiner Stelle währe, was ich machen würde.

Die Nebenwirkungen sind doch recht krass.

Menschen die menschlich sind, mitfühlend, empathie für Andere Betroffene haben, die schreiben dort sehr respektvoll und mit Gefühl, wunderbar achtsam.

Jeder möchte überleben und macht es so oder so.

Viel Erfolg gegen MS ! Staublos ist auch auf twitter unterwegs, hat gerade geheiratet !

lg

Philipp

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@tournesol

tournesol, (vor 3119 Tagen) @ Philipp

@ Philipp

Danke für den Link.

Ich nehme Tecfidera auch seit ca. 1 J. und habe außer gelegentlichen Flushs keine Nebenwirkungen.

Man kann sich entweder gegen eine BT entscheiden oder für eine der verschiedenen Möglichkeiten und es muss zu einem passen. Ob es die richtige Entscheidung war, weiß man erst, wenn es schiefgelaufen ist. Was ich in deinen Beiträgen gelesen habe, was du alles machst und welche Erfolge du damit erzielst, finde ich bewundernswert. Aber zu mir und zu meinem Leben würde das, zumindest in meiner jetzigen Situation überhaupt nicht passen. Ich war schon immer total unsportlich. Dir wünsche ich weiterhin viel Erfolg damit!

Ich glaube, ich habe meinen 1. Beitrag falsch gesetzt. Eigentlich wollte ich WW antworten und nicht Moritz.

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