Winternachtsidylle (Straßencafé)

Boggy, Donnerstag, 23.12.2021, 17:08 (vor 31 Tagen)

Mein Lieblingsgedicht des englischen, romantischen Dichters Samuel Taylor Coleridge ist

Frost at Midnight (Frost um Mitternacht)

Es beginnt mit den Zeilen:

„The Frost performs its secret ministry,
Unhelped by any wind.“

Man könnte dies so übersetzen, und es bleibt leider etwas holprig, und kann den Rhythmus, den Klang und den Zauber der englischen Zeilen nicht wirklich wiedergeben:

„Der Frost vollzieht seinen geheimen, heiligen Dienst
Ohne die Hilfe von Wind.“

Ja, ich finde, daß in diesen Zeilen ein besonderer Zauber liegt. Er erschafft den Einstieg in die beeindruckende Atmosphäre, die im weiteren Verlauf des Gedichts erschaffen wird; nämlich die einer außer-gewöhnliche Stille und Tiefe einer Winternacht in einer Hütte, weit entfernt von der Stadt, in der der Dichter noch wach ist, während die anderen Menschen schlafen,
einschließlich des Babys an seiner Seite.

Mich haben diese Zeilen, seitdem ich das Gedicht das erste Mal gelesen habe, nicht verlassen, und sie kommen mir immer wieder ins Bewußtsein, wie ein Mantra, und bringen mir eine heilsame, stille und weite Geistesverfassung mit sich, die mir wohltut.

Und so dachte ich auch heute wieder daran, so kurz vor Weihnachten, weil ich diese stille, weite und heilsame Herzens- und Geistesart für wahrhaft weihnachtlich halte. Etwas, das ich uns allen wünschen möchte. Das ist natürlich rein subjektiv und jeder, der das nicht für sich möchte, kann für sich selbst ja etwas anderes wünschen.

Die Stimmung, die ganze Situation, geht wie verzaubert über das Alltäglich hinaus, in eine außer-gewöhnliche, geradezu "extreme" Stille …

„My cradled infant slumbers peacefully.
'Tis calm indeed! so calm, that it disturbs
And vexes meditation with its strange
And extreme silentness. Sea, hill, and wood,
This populous village! Sea, and hill, and wood,
With all the numberless goings-on of life,
Inaudible as dreams!“

(meine etwas freie Übersetzung)
„Friedlich schlummert mein Kind in der Wiege.
Oh ja, es ist so ruhig! so ruhig – so daß es stört,
Und Kummer macht dem Meditieren mit seiner seltsam
Und extremen Stille. Meer, Hügel und Wald,
Dies bevölkerte Dorf! Meer und Hügel und Wald,
Mit all dem zahllosen Treiben des Lebens,
Unhörbar wie Träume!“

Allen ein frohes Weihnachtsfest!

Gruß
Boggy

(möglicherweise ist das, was ich hier schreibe, in dieser Form, so fragmentarisch und ohne mehr Hintergrund, kaum oder gar nicht nachvollziehbar, hier in diesem Rahmen … aber mir hat es gutgetan, diese Gedanken aufzuschreiben …und auf diese Weise ins Weihnachtsfest zu gleiten …)

https://www.poetryfoundation.org/poems/43986/frost-at-midnight

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.


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