MS, und es ist doch EBV (Allgemeines)

W.W. @, Donnerstag, 13.01.2022, 23:16 (vor 10 Tagen) @ W.W.

Weiter schrieb ich:

Im Prinzip stehen sich also drei Hypothesen gegenüber: Erstens die Virus-Hypothese, die daran krankt, dass die Hauptperson des Dramas noch nicht identifiziert werden konnte, zweitens die Autoimmun-Hypothese, die sich nahezu vollständig auf die Analogie zu einer tierexperimentellen Krankheit stützt, die nur wenig Ähnlichkeit mit der MS hat, und drittens die aktuell an Popularität gewinnende Überlegung, ob nicht ein Faktor, der primär die Oligodendrozyten schädigt, die eigentliche Ursache der MS ist. Es gibt drei interessante Versuche, die Theorien miteinander zu vereinen: die Hypothese von der viralen Mimikry, die EBV-Stress-Hypothese und die Hypothese der toxischen Konzentrationen. Zusätzliche Verwirrung stiftet die Annahme, es gäbe nicht eine, sondern im Grunde genommen vier MS-Subtypen, von denen jede anders sei und fälschlich zur MS gezählt würde.

Was ist virale Mimikry?
Beginnen wir mit der Frage: Auf welchem Weg können Viren zur Zerstörung der weißen Hirnsubstanz beitragen? Viren sind einmal scherzhaft als „schlechte Botschaft, eingewickelt in Protein“ bezeichnet worden. Sie besitzen also eine Eiweißhülle, an der sie von Lymphozyten als Feinde erkannt werden. Nun gibt es aber einen Trick, das Abwehrsystem zu täuschen, indem sich ein Virus wie der Wolf in einen Schafspelz kleidet. Ein Virus, das in einen Mantel gehüllt ist, dessen Oberfläche körpereigenen Substanzen, beispielsweise dem Myelin, täuschend ähnlich ist, kann sich lange Zeit der Entdeckung durch Lymphozyten entziehen.

Irgendwann einmal im späteren Leben, unter Umständen, über die wir leider noch viel zu wenig wissen (Infektionen? Stress?), erkennen die Lymphozyten endlich, dass es sich um einen Eindringling handelt, der sich unter falscher Flagge eingeschmuggelt hat, und werden aktiv. Dabei gelangen einige von ihnen auch ins Gehirn, verwechseln im Eifer des Gefechts die weiße Hirnsubstanz mit ihren wirklichen Gegnern und zerstören nicht nur das Virus, sondern auch die Struktur, die es zu seinem Schutz imitiert hat.

Die EBV-Stress-Hypothese
Es gibt aber noch eine andere, nicht weniger faszinierende Theorie. Das bereits erwähnte Epstein-Barr-Virus besitzt einen Eiweißmantel, dessen Erkennungsmerkmal eine Kette aus den fünf Aminosäuren R-R-P-F-F ist. Genau dieses R-R-P-F-F findet sich in einem Eiweiß, dass sich nur unter Stress in der weißen Hirnsubstanz ausbildet. Demgemäß lautet die EBV-Stress-Hypothese: Irgendwann einmal in der Kindheit infiziert man sich mit dem Epstein-Barr-Virus, und die Lymphozyten werden gegen R-R-P-F-F „allergisiert“. Das führt zunächst zu keinen Problemen, weil im Körper kein R-R-P-F-F vorkommt. Entsteht aber später in belastenden Lebenssituationen das Stressprotein in der weißen Hirnsubstanz, dann greifen die Lymphozyten die vermeintlichen Erreger an und zerstören sie.

Ich muss gestehen, dass mir die EBV-Stress-Hypothese damals besonders eingeleuchtet hat.

W.W.

Tags:
EBV, Epstein-Barr-Virus


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