Studie - schlüssige Schlussfolgerungen ? (Allgemeines)

Michael27 @, Freitag, 14.01.2022, 19:02 (vor 4 Tagen) @ Boggy

In aller Vorsicht fasse ich zusammen, was ich gefunden habe. Offensichtlich hat man die MS-Erkrankung über das Neurofilament-Light-Chain-Protein (NfL) festgestellt. NfL ist meines Wissens als MS-Biomarker erst seit 2019 anerkannt. Dass man beim US-Militär seit 1993 den NfL-Wert zur Identifizierung einer MS-Erkrankung eingesetzt hat, wundert mich doch sehr. Oder existieren die über 60 Mio Serum-Proben immer noch und man hat für die jetzige Studie bei den MS-Positiven nachgetestet ?

Auf alle Fälle kann man mit diesem Biomarker eine MS-Erkrankung bereits vor dem Auftreten der ersten Symptome feststellen (https://www.amsel.de/multiple-sklerose-news/medizin/ein-biomarker-viele-messwerte/).

Jetzt aber zur eigentlichen Frage:
Hier findet man auf Seite 9 (Seitennummer 31 !) das Studien-Design. Daraus geht hervor, dass es 35 MS-Positive gab, die zu Beginn EBV-negativ waren. Außerdem hat man eine Kontrollgruppe von 107 zu Beginn EBV-Negative herangezogen. Aus der Tatsache, dass von einer 32fach höheren Wahrscheinlichkeit der MS-Erkrankung gesprochen wird (https://www.scinexx.de/news/medizin/ist-multiple-sklerose-eine-virus-spaetfolge/, Seite 2), entnehme ich, dass vermutlich nur 3 der 107 Kontrollpersonen nach derselben Anzahl von Jahren, nach der jeweils der MS-Biomarker "anschlug", EBV-positiv getestet wurden.

Dass eine sehr hohe Korrelation besteht, bezweifle ich nicht. Aber die untersuchte Personenanzahl (35 plus 107) ist nichtsdestotrotz sehr gering - und auch ich bin eigentlich eher vorsichtig, einen Kausalzusammenhang herzustellen. Natürlich könnte die MS auch zuerst dagewesen sein. Wer sagt denn, dass man MS über andere Biomarker (die wir heute noch nicht kennen) nicht noch deutlich früher hätte feststellen können. Aber dass EBV und MS "dicke etwas miteinander zu tun haben", wird damit meiner Meinung nach noch einmal unterstrichen. Für solch eine extreme Korrelation in einer bunt gemischten Basis-Personengruppe von 10 Mio kann man weder einheitliche Ernährung, sozialer Status, Herkunft oder Ähnliches verantwortlich machen.

Also vielleicht doch kausaler Zusammenhang ? Und dann in die eine oder in die andere Richtung ? Fördert eine EBV-Infektion die MS-Erkrankung - oder fördert eine MS-Erkrankung eine EBV-Infektion ?

Michael


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