Was wissen wir ganz sicher über die MS? - nicht viel... (Allgemeines)

MO @, Zürich, Samstag, 11.03.2023, 22:46 (vor 347 Tagen) @ W.W.

Mit meinem Wissen von heute weiss ich, dass ich schon bevor ich zwanzig Jahre alt war, MS hatte.

Aber damals in den Achtzigern, auf dem Land, da ging man nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt. MRT gab es in ein paar wenigen Städten und sicher nicht für einen Jugendlichen, der mal ein Elektrisieren in seinen Armen spürte, das er sich mit dem Alkoholkonsum des letzten Wochenendes erklärte
Schliesslich verschwand das Elektrisieren wieder, genauso wie die "Hörstürze" oder das plötzlich verschwommene Sehen auf einem Auge. Alle diese Symptome blieben nie länger als ein paar Stunden oder Tage.
Es sollten weitere 20 Jahre vergehen bis ein anderer, älterer Hausarzt mich wegen eines tauben Daumens und Zehen zum Neurologen schickte, der, nachdem er den Babinski entdeckte, mich gleich in das MRT und zur Lumbalpunktation schickte, so dass ich ziemlich flink die Diagnose MS erhielt.

Was ich sagen will, wäre ich meine Schwester gewesen, dann hätte ich meinem Frauenarzt von meinen Symptomen erzählt und dieser hätte mich vielleicht schon damals zum Neurologen geschickt.

Aber ich war ein Junge, wir feierten die Nächte durch, verbrachten die Nächte im Wald oder sonstwo, da elektrisierte halt immer mal wieder etwas.

Heute weiss ich, das nennt sich Lhermitte Zeichen und plötzlich verschwommenes Sehen nennt man einen Schub. Die Probleme mit dem Wasserlassen ist keine Folge einer ausgeuferten Party sondern die direkte Folge einer neurogenen Blasenstörung.

Ich bin überzeugt, meine MS war schon sehr früh in meinem Leben da, seit ich ein Kind bin. Aber solange ich im Wachstum war, haben die Reparatur Mechanismen die Degenerativen in Schach halten können. Aber mit zunehmendem Erwachsensein verschwand das Wachstum und mit ihm die Reparaturprozesse und die MS zeigte sich als progrediente Erkrankung, die einfach unaufhaltsam abwärts geht.

Zurück zu ihrer Frage, da hätte ich eine Idee:

Und gehen Frauen nicht häufiger zum Arzt? Stimmt also die als so sicher angenommene Geschlechterdifferenz?

Betrachten wir doch einfach alle MS Kranken mit einem gravierenden EDSS Grad, z.B. alle MS Kranken ab EDSS 8.0. Wie verhält sich dort die Geschlechterdifferenz? Sind immer noch zweimal mehr Frauen als Männer im Rollstuhl oder bettlägerig?

Mit dieser Betrachtung würde man den möglichen systematischen Fehler in der Früherkennung bei MS ausschalten. Wobei sich natürlich neue ergeben können, wenn sich herausstellen sollte, dass Männer im Rollstuhl sich eher umbringen als Frauen.

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Ich liebe den Herbst, dank seinen kühleren Temperaturen erwacht mein Geist.


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