Wieder: Ganzheit - Zusammenspiel von Köper-Psyche-Geist (Allgemeines)

Boggy, Sonntag, 15.08.2021, 14:25 (vor 32 Tagen)

(Ich wollte hier eigentlich gerne einen tag "Ganzheit" setzten, aber das funktioniert derzeit nicht!)

Ein paar neue Erkenntnisse zum Thema Ganzheit des Organismus – Einheit von Körper-Psyche-Geist(Bewußtsein) und deren Zusammenspiel:

“Interoception: the hidden sense that shapes wellbeing” /
“Interozeption: der verborgene Sinn, der das Wohlbefinden beeinflusst“

Quelle:
https://www.theguardian.com/science/2021/aug/15/the-hidden-sense

„Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass Signale, die von unseren inneren Organen an das Gehirn gesendet werden (Interozeption), eine wichtige Rolle bei der Regulierung von Emotionen und der Bekämpfung von Angst und Depression spielen.
(…)
Die Interozeption umfasst alle Signale der inneren Organe, einschließlich des Herz-Kreislauf-Systems, der Lunge, des Darms, der Blase und der Nieren. "Es gibt einen ständigen Kommunikationsdialog zwischen dem Gehirn und den Eingeweiden". (…)

Ein Großteil der Verarbeitung dieser Signale findet unterhalb der bewussten Wahrnehmung statt: Die automatische Rückkopplung zwischen Gehirn und Körper, die z. B. dazu beiträgt, dass Ihr Blutdruck konstant bleibt, oder die Signale, die zur Stabilisierung Ihres Blutzuckerspiegels beitragen, werden Sie nicht bewusst wahrnehmen.

Aber viele dieser Empfindungen - wie die Anspannung Ihrer Muskeln, das Zusammenziehen Ihres Magens oder das Schlagen Ihres Herzens - sollten dem bewussten Geist zumindest zeitweise zugänglich sein. Und die Art und Weise, wie Sie diese Empfindungen lesen und interpretieren, hat wichtige Auswirkungen auf Ihr Wohlbefinden. (…)

Wenn Sie zum Beispiel einen wütenden Hund sehen, spannen sich Ihre Muskeln an oder Ihr Herz beginnt zu rasen. Diese physiologische Reaktion findet statt, bevor man sich der Emotion überhaupt bewusst ist.
Erst wenn das Gehirn die Veränderung des inneren Zustands des Körpers durch Interozeption feststellt, erleben wir das Gefühl tatsächlich und lassen zu, dass es unser Verhalten beeinflusst. Ohne das Hin und Her zwischen dem Gehirn und dem Körper gäbe es keine Gefühle wie Glück, Traurigkeit oder Aufregung.“

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Boggy-Kommentar: Ich finde, daß an dieser Stelle eine Frage von Bedeutung ist, die hier nicht auftaucht: In welcher Geschwindigkeit findet dieses „Hin und Her“ statt? In diesem Fall würde ich von einer beinahen Gleichzeitigkeit ausgehen (?). Was ist mit "reflexhaftem" Handeln einerseits und "bewußter Entscheidung" andererseits?

Ich möchte ergänzen, daß es in der Neuropsychologie auch das Modell zweier voneinander unabhängig existierender, manchmal konkurrierender, meist aber zusammenarbeitender, neuronaler Systeme gibt: einem „automatisierten“ und einem „reflektierenden“ System.

Ich schreibe dies alles aus dem Stehgreif, ohne es weiter durchdacht zu haben, was folgen müßte.
Ich wollte diese Information einfach weitergeben, ohne jetzt sagen zu können, wie diese Sichtweise mit denen im Artikel genauer zusammenhängen – falls überhaupt. Ich habe mich seit längerer Zeit nicht mehr damit beschäftigt, und möchte das jetzt auch nicht weiter; fand es aber dennoch wichtig genug, um es hier für alle, die sich näher dafür interessieren, einzustellen.
Es gibt auch einen interessanten Artikel dazu, der auch wieder Kurt Goldstein ins Spiel bringt:

Votsmeier-Röhr, A. (2011): Gestalttherapie und Neurowissenschaft, Gestalttherapie, 2, 35-45.
http://www.gestaltpsychotherapie.de/Gestalttherapie_Neurowiss.pdf

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„Wir wissen jetzt, dass viele andere Menschen - ohne irgendeine Art von Hirnschädigung - Schwierigkeiten haben, sich auf ihre interozeptiven Signale einzustellen, (…)

Wenn Sie Ihre Körpersignale besser wahrnehmen können, sind Sie in der Lage, Ihre Gefühle in einer Situation differenzierter zu interpretieren, was Ihnen wiederum helfen sollte, klügere Entscheidungen über die besten Reaktionsmöglichkeiten zu treffen.
Solche Prozesse können bei vielen psychischen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Eine große Untergruppe von Menschen mit Depressionen beispielsweise zeigt bei den Aufgaben zur Erkennung des Herzschlags häufig eine schlechtere interozeptive Wahrnehmung, und bei diesen Patienten kann die verminderte Fähigkeit, ihre Körpersignale zu spüren, der Grund für ihr Gefühl der Lethargie und emotionalen Taubheit sein - das Gefühl, dass sie überhaupt "nichts fühlen" können.

Menschen mit Angstzuständen berichten dagegen, dass sie auf ihre interozeptiven Signale achten - aber sie deuten sie nicht unbedingt richtig.“

Zusammenfassung: es geht ein weiteres Mal um die Bedeutung von Bewußtheit/Bewußtsein für unser Wohlbefinden.

Gruß
Boggy

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

Tags:
Ganzheit

Danke!

Boggy, Montag, 16.08.2021, 12:29 (vor 31 Tagen) @ Boggy

Ehrwürdiger Willie,

(falls Du das warst, was ich vermute) ganz herzlichen Dank für den TAG!
(Nicht "Tag" im Gegensatz zu "Nacht" ;-) )

Blume

Gruß
Boggy

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

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