EBV - MS - Impfung? ACTRIMS 2023 (Allgemeines)

Boggy, Mittwoch, 01.03.2023, 17:35 (vor 369 Tagen)

Uwe hat bei den Amseln auf den ACTRIMS 2023-Kogress hingewiesen. Dort fand u.a. eine Debatte statt, und zwar zwischen Jeffrey Cohen, MD, vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases und Peter Calabresi, MD, Professor für Neurologie an der Johns Hopkins University.

https://multiplesclerosisnewstoday.com/news-posts/2023/02/27/actrims-2023-should-ebv

„27. Februar 2023
ACTRIMS 2023: Sollte EBV bei MS anvisiert werden? Experten debattieren.
Virologe und Neurologe debattieren über die Vorteile einer gezielten EBV-Behandlung zur Prävention und Behandlung von MS

In der ACTRIMS-Debatte betonte Jeffrey Cohen, (...) dass es noch nicht genügend Daten gibt, um mit Sicherheit sagen zu können, dass EBV direkt MS verursachen kann - aber diese Vorstellung kann in zukünftigen Studien getestet werden.“

Diese Formulierung von Herrn Cohen, in der er hervorhebt, daß es "noch nicht" genügend Daten gibt, um "mit Sicherheit" eine "direkte" (!) Verursachung vom MS durch EBV feststellen zu können, ist in bezug auf die Sachlage eher verzerrend, liegen doch weiterhin UMGEKEHRT mehr als genügend Hinweise und plausible Gründe dafür vor, dass es mehr als UNWAHRSCHEINLICH ist, daß EBV DIREKT MS verursacht.

Er verläßt anschließend auch diese absolute Aussage, wenn man der NICHT-WÖRTLICHEN Wiedergabe des Artikels trauen kann, und spricht dann von „Risiko“:
„Cohen argumentierte, dass, wenn EBV tatsächlich das MS-Risiko erhöhen kann,
dann sollte die Verhinderung von EBV durch einen Impfstoff oder eine ähnliche Therapie die Häufigkeit von MS verringern.“

„Peter Calabresi (...) widersprach Cohen und sagte, dass der Enthusiasmus über die mögliche Vorbeugung von MS durch einen Impfstoff zwar verständlich sei, aber 'Vorsicht vor übertriebener Euphorie geboten ist'.“

„Zum einen betonte Calabresi, dass mehr als 90 % der Menschen mit EBV infiziert sind, die große Mehrheit der Menschen mit einer Virusinfektion in der Vorgeschichte jedoch nicht an MS erkrankt - es sei also klar, dass EBV zwar das MS-Risiko erhöhen könne, aber auch andere Faktoren eine Rolle spielten."

Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, daß es schon sehr (!) wirkmächtige „Zusatz"-Faktoren (im Gegensatz zu EBV) sein müssen, wenn man die Zahl der fast gesamten Bevölkerung mit EBV der relativ geringen Zahl der an MS erkrankten Menschen gegenüberstellt.

„Calabresi mahnte auch zur Vorsicht, was die Möglichkeit eines zugelassenen EBV-Impfstoffs in naher Zukunft angeht, und wies darauf hin, dass diese Impfstoffe in der frühen Kindheit verabreicht werden müssten, wenn die meisten Fälle von EBV-Infektionen auftreten - was 'die Prävention zu einer gewaltigen Aufgabe macht', sagte er.

Diese Impfstoffe könnten auch 'unerwünschte Nebenwirkungen' haben, indem sie EBV-Infektionen bis ins Jugendalter hinauszögern, wenn sie mit größerer Wahrscheinlichkeit infektiöse Mononukleose verursachen und zu MS beitragen. 'Menschen können in einem Alter, in dem die Folgen einer Infektion schwerwiegender sind, für eine natürliche Infektion anfällig werden', so Calabresi.

Außerdem wies er darauf hin, dass Impfstoffe das Immunsystem gegen das Virus aktivieren. Wenn es also stimmt, dass der Angriff des Immunsystems gegen EBV an der Entwicklung von MS beteiligt sein könnte, ist bei der Entwicklung von EBV-Impfstoffen besondere Sorgfalt geboten, um sicherzustellen, dass sie keine Immunreaktion auslösen, die MS auslösen oder verschlimmern könnte.“

Gruß
Boggy

(Könnte der Hausmeister – wie immer so freundlich – wieder Tags setzen: EBV, Epstein-Barr-Virus.
Vielleicht ebenfalls freundlicherweise auch noch im Thread:

http://www.ms-ufos.org/index.php/index.php?id=78811 )

--
Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.

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EBV - MS - Impfung? ACTRIMS 2023

agno @, Mittwoch, 01.03.2023, 22:27 (vor 369 Tagen) @ Boggy

"...Impfstoffe das Immunsystem gegen das Virus aktivieren. Wenn es also stimmt, dass der Angriff des Immunsystems gegen EBV an der Entwicklung von MS beteiligt sein könnte, ist bei der Entwicklung von EBV-Impfstoffen besondere Sorgfalt geboten,..."

Tja, vor einem Jahr hätte ich noch gesagt: "Na und?"
Heute frage ich mich: "Was ist Sorgfalt?"

Alles landet in einer paradoxen Logik: Um eine Krankheit zu verhindern, die eine seltene Nebenwirkung einer anderen Krankheit sein könnte, müssten sehr viele freiwillige Testobjekte vorhanden sein. Die Gefahr, eines potentielle frendly Fire & dass man die Zusammenhänge erst relativ spät erkennen könnte, wird sehr hoch sein.
Die Regel der Forschung lautet: Was möglich ist, wird irgendjemand probieren. Es ist nicht aufzuhalten.
Seltsam, eigentlich müsste ich doch euphorisch & glücklich, über solche Nachrichten sein sein???

unsichere Grüße von agno

P.S.: Danke @ Boggy!

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Weiß nicht, woher ich komm, weiß nicht, wie lang ich bleib, weiß nicht, wohin ich geh, mich wundert, dass ich glücklich bin ...

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EBV - MS - Impfung? ACTRIMS 2023

tournesol @, Freitag, 03.03.2023, 09:35 (vor 367 Tagen) @ Boggy

Die allgemeine Euphorie, MS durch eine EBV-Impfung verhindern zu können, scheint also abgeflaut zu sein. Bei diesen Unsicherheiten bin ich auch skeptisch. Für mich käme eine Impfung sowieso zu spät, es müssten meine zukünftigen Enkelkinder geimpft werden.

Michel Brahic hat darauf hingewiesen, dass das EBV-Virus schon sehr lange im Menschen ist, wo es möglicherweise positive Funktionen hat und es ungeahnte negativen Auswirkungen haben könnte, wenn man das durch eine Impfung verhindern würde. Deshalb würde man wahrscheinlich nur Menschen mit einer erhöhten Gefahr für MS (und andere durch EBV Viren ausgelöste Krankheiten) impfen und bei denen müsste man die Impfung gegen mögliche Risiken abwägen.

Man würde so auch nur den wahrscheinlich geringen Anteil der möglichen zukünftigen MSler treffen, bei denen MS in der Familie bekannt ist. Sonst müsste man bei Babys ein allgemeines Screening durchführen und dadurch viele Eltern in Ängste versetzen, deren Kinder wahrscheinlich nie oder erst sehr spät MS bekommen.

Da mein Mann Typ1-Diabetiker ist, waren wir bei unseren Kindern in einer ähnlichen Situation. Wir hätten deren HLA-Typen bestimmen lassen können um dann zu versuchen, durch Insulin-Gaben vor den ersten Anzeichen von Diabetes die Funktion der Bauchspeicheldrüse zu erhalten. Das kam für uns nicht in Frage.

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EBV - MS - Impfung? ACTRIMS 2023

agno @, Freitag, 03.03.2023, 13:24 (vor 367 Tagen) @ tournesol

Danke!

"Man würde so auch nur den wahrscheinlich geringen Anteil der möglichen zukünftigen MSler treffen, bei denen MS in der Familie bekannt ist. Sonst müsste man bei Babys ein allgemeines Screening durchführen"

ups, ich dachte dass das Ziel sei, EBV vom Erdball zu tilgen?

agno

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