Selbstmord Karen Friesecke (Therapien)

W.W., (vor 3717 Tagen)

Ich habe es schon häufig angesprochen (z.B. bei der Germanwings-Katastrophe) und tue es jetzt noch einmal, weil es mir Sorgen macht. Wenn die modernen Antidepressiva wie Fluoxetin, Sertralin... in 1/3 der Fälle gut wirken würden und in einem weiteren 1/3 wäre man sich unsicher, dann könnte es noch ein letztes 1/3 geben, wo man sich selbst mit dem Medikament besser fühlt, aber die Leute, die einen kennen sagen: 'Du hast dich irgendwie verändert.'

Natürlich ist man anders, wenn die Depression weg ist, aber die Antidepressiva könnten in unserem Gehirn ja auch etwas bewirken, was eigentlich gar nicht beabsichtigt war: dass man z.B. selbstsicherer oder tatkräftiger wird oder sich nicht mehr so viel gefallen lässt.

Wenn es nun in dieser 3. Gruppe vermehrt zu ungewöhnlich aggressiven Morden und Selbstmorden käme, dann wäre es doch denkbar, dass das statistisch gar nicht auffällt. Denn es ist ja bekannt, dass sich Menschen, die gerade dabei sind, aus einer Depression aufzutauchen, sich häufiger umbringen, weil oft der Schwung eher kommt, als sie die Stimmungslage aufhellt.

Wäre es nicht beunruhigend, wenn die modernen Antidepressiva zumindest in einem kleinen Prozentsatz zu Verhaltensänderungen führen könnten? Oder ist diese Befürchtung ganz von der Hand zu weisen - und sollte ich sie lieber nicht mehr äußern?

W.W.

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Selbstmord Karen Friesecke

agno, (vor 3717 Tagen) @ W.W.

https://de.wikipedia.org/wiki/Karen_Friesicke
*schwierig*
Mir ist aber im Künstlerbereich ein sehr hoher Suizidanteil aufgefallen.
(Damals zu der Zeit als ich im Netz nach alten Texten und gemeinfreien Autoren suchte.)

Im Freundeskreis fällt mir ein emotionaler Entwicklungsstillstand unter optimal behandelten Depressionen auf.

Ich befürchte dass meine persönliche Meinung etwas sehr hart klingen könnte.

Darf man das so öffentlich disskutieren?
Müsste man mehr Rücksicht auf die Angehörigen der verstorbenen Schauspielerin, Mutter & Ehefrau, nehmen?

lG agno

P.S.: Psychopharmaka, wenn der Schmerz & das Leid weg sind, sich aber ansonsten nichts verändert.
(wegen kein Schmerz, auch kein Bedarf)
Ist das das Ziel oder ein Behandlungsunfall?

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Selbstmord Karen Friesecke

W.W., (vor 3717 Tagen) @ agno

Im Freundeskreis fällt mir ein emotionaler Entwicklungsstillstand unter optimal behandelten Depressionen auf.

Interessant! Was ist das: emotionaler Entwicklungsrückstand?

Auch die andere Bemerkung ist interessant: Was wäre eigentlich, wenn man das Leid nicht mehr empfindet? Ist man dann von seiner Depression geheilt? Oder wird man etwas gefühllos?

W.W.

PS: Ich habe mich immer gefragt, wie Faust über die Gretchen-Tragödie hinweggekommen ist. In Faust II ist es ja bis zum Schluss so, als ob es Gretchen nie gegeben hätte.

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Selbstmord Karen Friesecke

agno, (vor 3717 Tagen) @ W.W.

Im Freundeskreis fällt mir ein emotionaler Entwicklungsstillstand unter optimal behandelten Depressionen auf.


Interessant! Was ist das: emotionaler Entwicklungsrückstand?

Ich schrieb "Stillstand" nicht Rückstand.
Ich meinte mit Pharma eingestellt und mit dem Psychologen die Lebensplanung abstimmen.


Auch die andere Bemerkung ist interessant: Was wäre eigentlich, wenn man das Leid nicht mehr empfindet? Ist man dann von seiner Depression geheilt? Oder wird man etwas gefühllos?

W.W.

PS: Ich habe mich immer gefragt, wie Faust über die Gretchen-Tragödie hinweggekommen ist. In Faust II ist es ja bis zum Schluss so, als ob es Gretchen nie gegeben hätte.

Tja, Goethe soll ein Verdränger vor dem Herrn, gewesen sein.
Da wird er auch seinen "Figuren" ein ähnliches Rüstzeug mitgegeben haben.

gruß agno

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Selbstmord Karen Friesecke

W.W., (vor 3717 Tagen) @ agno

Im Freundeskreis fällt mir ein emotionaler Entwicklungsstillstand unter optimal behandelten Depressionen auf.


Interessant! Was ist das: emotionaler Entwicklungsrückstand?

Ich schrieb "Stillstand" nicht Rückstand.
Ich meinte mit Pharma eingestellt und mit dem Psychologen die Lebensplanung abstimmen.


Stimmt! Das war ein Freudscher Fehler.:-( Aber auch der emotionale Stillstand könnte doch erschreckend sein. Das Leben geht weiter, und man selbst bleibt stehen, weil man täglich eine Tablette einnimmt.

Was unterscheidet Soma, Valium und Cannabis von Fluoxetin? Ich trinke gerade eine Tasse Tee. Das ist das Äußerste, was ich bei mir als stimmungsverändernde Droge zulasse. Früher brauchte ich Alkohol und Zigaretten.

Aber darf man das alles in einen Topf werfen?

Und: Die, die ins erste Drittel gehören, die sich also sicher sind, dass SSRI helfen, werden zu Recht sagen: Sollten wir den Teufel an die Wand malen, wenn wir gar nicht mal sicher sind, ob es den Teufel wirklich gibt?

Ich bin nicht sicher, sondern habe nur den Eindruck, SSRI könnten zu Wesensänderungen führen.

W.W.

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Selbstmord Karen Friesecke

agno, (vor 3717 Tagen) @ W.W.

Könnte diese undifferenzierte Aussage: "Wesensveränderung" genau das meinen, was ich mit emotionalem Stillstand durch Leidbefreiung beschrieben habe?
? agno

P.S.: Schlecht leben ist auch leben.
Bei emotionsbefreitem leben, bin ich mir unsicher.
http://jeanne-renard.de/wp/?page_id=705

P.P.S.:
Ein PC kann Probleme lösen.
Deshalb lebt der PC noch lange nicht.
Wenn ein PC leiden können würde, dann wäre ich mir nicht so sicher mit dem leben.

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Selbstmord Karen Friesecke

Idefix, Körbchen, wenn ich nicht gerade rumflitze, (vor 3717 Tagen) @ W.W.

Ich finde, daß das Thema Depression bis heute unterschätzt wird, aus mehreren Gründen

- Leistungs-/ Optimierungsdruck in unserer Gesellschaft.
Ich bin sicher nicht frei vom Leistungsgedanken, weil ich schon denke, daß ein Mensch auch bzgl. seiner Psyche selbstverantwortlich ist.
Zum Anderen bin ich mir durchaus bewußt, daß es Menschen gibt, die dies wirklich nicht können.
Optimierungsdruck, habe vorhin eine Sendung mit Anke Engelke auf arte gesehen. Aktuell sind die ganzem Apps und Schrittzähler noch sehr spielerisch... Wie sicher sind unsere Daten??? Was machen die KK's etc. irgendwann mit den Daten.
Es wird schon frühzeitig in unserer Gesellschaft aufgebaut.
Mann wir konnten noch auf Bäume klettern und von Tabaluga träumen - da gabs noch keine Serien über ihn.

- Das oft vollkommen undurchdachte Verordnen von Antidepressiva. Eine gute Freundin von mir ist Ergotherapeutin und hat auch ettliche Suchtkranke in Behandlung. Einer ihrer Patienten hatte von seinem Hausarzt ne 50er Packung Tavor bekommen... Zum Glück war sich der Patient des Suchtpotentials bewußt und gab ihr die Packung zur Verwahrung.
Wie kann man nur...

- Die NW Depri wird oft unterschätzt. Ich hatte es meinem Onkodoc zu verdanken, daß ich während der Chemo im Nervenkh gelandet bin. Aus heutiger sicht war es das Beste was mir passieren konnte, weil die auf mich aufgepasst haben als ich es nicht konnte. Mir wurde von Profis geholfen meine Überforderung zu überwinden und wieder meine inneren Kräfte zu finden.
Gleichzeitig habe ich gelernt wie machtvoll Antidepressiva sind

- Bzgl. MS hab ich AVONEX gespritzt un gehörte zu den 10% suizidgefährdeten unter den Depressiven.
Seitdem hatte ich die absolute Aversion gegen Interferone. Der Prof. In unserer MS Ambulanz hielt das alles für Einbildung, als ich dann auch noch bei Mitox in Verbindung mit Corti streikte war ich unten durch. Komisch ohne Interferon und Co hab ich meine Depris weg gehabt. Hinzu kam das Auslaufen der Antihormone Zoladex und Tamoxifen...
Ich bin doch nicht die Einzige die Brustkrebs und MS hatte...
Meine Überlegungen einen Autobahnpfeiler verzieren zu wollen würde ich unter Selbstmord im Affekt verbuchen. Die Emotio hat kurzzeitig die Herrschaft über die Ratio übernommen.

- ich finde einfach, daß Antidepressivas unter Aufsicht von Profis verschrieben werden sollten. Ok da kommt es natürlich auf den Profigrad der Profis an, da gibt es auch himmelschreiende Unterschiede.

Liebe Grüße
Idefix
:heelsr: :heelsr:

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Selbstmord Karen Friesecke

W.W., (vor 3717 Tagen) @ Idefix

- ich finde einfach, daß Antidepressivas unter Aufsicht von Profis verschrieben werden sollten. Ok da kommt es natürlich auf den Profigrad der Profis an, da gibt es auch himmelschreiende Unterschiede.

Ich glaube, dass die Depressionen noch ungeklärter sind als die MS. Ich wüsste nicht zwischen burn out, Fatigue, Sissi-Syndrom, Liebeskummer, Heimweh, das Verlorenheitsgefühl, wenn man gerade die Diagnose MS bekommen hat, Betaferon-Depressionen und Trauer zu unterscheiden.

Jedenfalls nicht so richtig und nur so über den Daumen gepeilt! Aber welcher Arzt kann das schon? Und helfen Fragebögen weiter?

Wenn man bei Depressionen im MRT nichts sieht, könnte es sich dann um etwas anderes handeln als bei körperlich bedingten Krankheiten? Also eine 'wirkliche' seelische Störung? Aber was ist schon 'wirklich'? Ist ein Beinbruch wirklicher als ein Krebs? Ein Krebs wirklicher als MS? Eine MS wirklicher als Migräne? Und Migräne wirklicher als eine Depression?

Wird eine arge Belastung dadurch unwirklich, wenn sie 'nur' Neurotransmitter in Unordnung bringt? Und sind Depressionen nicht vielleicht oft Ausdruck eines tiefen Kummers? Und ist ein Mensch, der keine Depressionen hat, nicht ein trauriger Mensch?

W.W.

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Selbstmord Karen Friesecke

Idefix, Körbchen, wenn ich nicht gerade rumflitze, (vor 3716 Tagen) @ W.W.

Ich glaube, dass die Depressionen noch ungeklärter sind als die MS. Ich wüsste nicht zwischen burn out, Fatigue, Sissi-Syndrom, Liebeskummer, Heimweh, das Verlorenheitsgefühl, wenn man gerade die Diagnose MS bekommen hat, Betaferon-Depressionen und Trauer zu unterscheiden.

Da fängt es an, daß Empathie bei vielen Menschen in den Hintergrund geschoben wird. Meine erste Reaktion nach der Diagnose war ne Runde zum Friseur gehen rofl .

Einer der wenigen die sich nicht von meinem the show must go on Grinsen täuschen lassen ist mein Neuro. Das Problem ist, daß Depri sehr viel mit der Persönlichkeit und den Schutzmechanismen zu tun hat. Einer Freundin von mir brauch man nur ins Gesicht schauen und weiß wie es ihr geht. Ich gehöre zu den Menschen, die wenn sie die Wohnungstür öffnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, manchmal ist es dann doch erstaunlich wenn einen fremde Menschen durchschauen.... :lookaround:

Jedenfalls nicht so richtig und nur so über den Daumen gepeilt! Aber welcher Arzt kann das schon? Und helfen Fragebögen weiter?
Nicht wirklich, zumindest ich denke darüber nach, was mit der Frage bezweckt wird. Was ich nicht schlecht finde, ist ein Fragebogen, der eine Kurzbiographie ist, weil dieser vermutlich schon mal Anhaltspunkte liefert.

Was ich faszinierend fand war die Maltherapie im Rahmen der Ergo.
Die Therapeutin war wochenlang hartneäckig. Ich meinte zu ihr ich könne nicht malen, Sie solle mir ein Notebook mit Excel oder Powerpoint geben, damit könne ich was anfangen...;-)

Dann bin ich doch mal hin, und stellte fest, daß ich über diese Therapieform an meine gut versteckten Emotionen ran kam.
Aufgrund des Perfektionsanspruches weigerte ich mich lange Zeit diese Therapieform an mich heran zu lassen.
Wo fängt es an ??? In der Schule, im Elternhaus. Meine Eltern kann ich rausnehmen, die freuten sich immer darüber, was ich erreicht habe obwohl es genügend Leute gab, die dies nicht taten. Ich weiß nicht jeder hat das Glück solche Eltern zu haben...

So für heute muß ich enden.

Liebe Grüße und nen schönen Abend
Idefix
:heelsl: :heelsr:

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Selbstmordgedanken wegen Chemotherapie

Edithelfriede, Nordhessen, (vor 3716 Tagen) @ Idefix

Liebe/r Idefix,
Als ich in der Uniklinik Mitoxinfusionen hatte ich als Begleitmedikation gegen die Übelkeit Zofran iv bekommen und bei geringerer Mitoxmenge dann Paspertin.
Die physischen Nebenwirken von der Chemo waren so dramatisch gewesen das ich erst als ich mir Dronabinol hatte verordnen lassen körperliche Besserungen erfahren habe.
Psychopharmaka nutzen meiner Meinung nach bei MS nichts und ihr Einsatz ist generell ein Behandlungsfehler bei körperlichen Erkrankungen wie MS!
Bei spastischen Krämpfen die sehr schmerzhaft sind habe ich mir gewünscht sterben zu dürfen aber eigentlich war und ist es viel schöner die Beschwerden zu verlieren und am Leben zu bleiben!
Zur Therapie mit Cannabis sollten Ärzte Patienten anleiten bzw Dronabinol auf Kassenrezept verordnen können!
Als MSlerin will ich wieder gesünder werden aber da ich noch nicht wieder so gesund bin wie vor meiner MSerkrankung brauche ich es noch!

MS und Krebs erfordern nehr Erkenntnisse über unser Immunsystem und das Medikamente die diese Erkrankungen besser oder sogar die Beschwerden heilen können mehr verordnet werden!

lg e

--
Angst die Hoffnung zu verlieren soll nicht mein Leben bestimmen!
Sommer 2o19 bewußtlos ins ins Krankenhaus war nach vier Wochen wieder heim unter Betreuung meiner Tochter.

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Selbstmordgedanken wegen Chemotherapie

Idefix, Körbchen, wenn ich nicht gerade rumflitze, (vor 3716 Tagen) @ Edithelfriede

Liebe Eddithelfriede,
ich bin weiblich :-)
Ich hatte ein viertel Jahr nach der Diagnose MS die Diagnose Brustkrebs.
Der Krebs hatte Vorrang weil er an der Grenze zu Metastasierung war. Ich bekam einen Kurs Chemo nach dem FEC-Schema wobei manche MS-Profs das Cyclophosphamid auch für MSler entdeckt haben.

Als ich in der Uniklinik Mitoxinfusionen hatte ich als Begleitmedikation gegen die Übelkeit Zofran iv bekommen und bei geringerer Mitoxmenge dann Paspertin.
Die physischen Nebenwirken von der Chemo waren so dramatisch gewesen das ich erst als ich mir Dronabinol hatte verordnen lassen körperliche Besserungen erfahren habe.
Psychopharmaka nutzen meiner Meinung nach bei MS nichts und ihr Einsatz ist generell ein Behandlungsfehler bei körperlichen Erkrankungen wie MS!

Zofran hab ich auch immer in der ersten Nacht nach der Chemo genommen. Wenn die Schleimhäut aufgegangen sind Pantoprazol
Bei meinem ersten Nervenzusammenbtuch währen der BK-Chemo bekam ich gar keine Psychopharmaka... Weil sie es sich nicht getraut haben bei mir... Vielmehr mußte ich an mir arbeiten.

Meine Erfahrfahrung mit den Chemos war die Einstellung dazu. Natürlich wußte ich, was es für ein Rattengift war daso ich bekam und nicht so harmlos war wie Mitox. Hinzukamen noch ne Menge Antihormone um alles still zu legen... Ich wurde mal für einige Zeit in die Wechseljahre geschossen. Der Nervenzusammenbruch war einfach rational eine Folge totaler Überforderung. Die Medis, eine Portinfektion, massiver Gewichtsverlust, Auswirkungen auf den Job, Zusammenprall mit dem eigenen Perfektionismus, die Diagnose Krebs als solche....
Das war alles a bissele viel.

Zur Therapie mit Cannabis sollten Ärzte Patienten anleiten bzw Dronabinol auf Kassenrezept verordnen können!
Als MSlerin will ich wieder gesünder werden aber da ich noch nicht wieder so gesund bin wie vor meiner MSerkrankung brauche ich es noch

Naja ob Canabis gesünder ist wage ich zu bezweifeln. Bei meinem Aufenthalt auf der Psychosomatik habe ich bei Mitpatienten die aktuellen Folgen von zuviel Canabis erlebt und in meinem Umfeld leidet einer unter den Spätfolgen. Und die sind nicht gerade lustig.
Ich habe noch nie in meinem Leben Canabis oder ähnliches konsumiert.
Daß Canabis bei manchen helfen kann will ich nicht ausschließen aber, daß man davon gesund oder gesünder wird bezweifle ich.
Schüssler Nr 7 reicht bei mir gegen Spastik... In unserer SHG haben wir damit gute Erfahrungen. Einer von uns hat massive Spastik und muß Sativex und Co nehmen.

Ich nehme seit Jahren Citalopram in der niedrigsten Dosierung. Die MS hat wohl doch meinen Hirnstoffwechsel beeinflußt. Ich nehme damit nicht zu und ermöglicht mir meine innere rationale Distanz zu Ereignissen, die mich früher massiv belastet hätten. Meine Medikation ist ein Minimum von dem was andere nehmen. Corti, Citalopram und einmal am Tag Fampyra.

Ich bemühe mich einfach nüchtern und rational mit meiner MS um zu gehen. Schulmedizin wo nötig, Komplementäre Ansätze werden eingebaut. Sport, Hirnleistungstraining, Ernährung aber nicht dogmatisch sondern parziell und auf meine MS bezogen.
Ich weiß Du bist begeistert von Evers. Ich komme eher aus der TCM und habe gute Erfahrungen mit der Lebensmittelthermik nach TCM gemacht. Bei Rohkost im Winter würde ich erfrieren... Ich bin nun mal ne Frostbeule

Liebe Grüße
Idefix

Sorry für manche Fehler, wir plaudern gerade nebenher...


,

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Selbstmordgedanken wegen Chemotherapie

Edithelfriede, Nordhessen, (vor 3715 Tagen) @ Idefix

Liebe Idefix,
Sie haben ja vieles ertragen müssen aber zu C* möchte ich Ihnen noch mitteilen das Dronabinol in der mir verschriebenen Dosis absolut nebenwirkungsfrei war und ist.
Klar konnte ich wieder Freude empfinden und sogar spontan lachen als ich weniger Krämpfe und Schmerzen hatte.
Psychische Auswirkungen wie kognitive Defizite (Vergeßlichkeit) und vor allem das Zittern nicht nur meiner rechten Hand und dessen was ich nicht sehen konnte.

Ähnlich der Beschwerden beim Tourette Syndrom wollte ich 2006 ein Mittel haben um wieder arbeitsfähig zu werden. Sogar bei einer Medikamentenstudie mit Cannabismedikamenten für Touretteerkrankungen hätte ich gerne deshalb mitgemacht!

Viel Geld hatte ich ausgegeben für einen Elektrorollstuhl, Aloe vera Mittel, anthropofische Medizin und Heileurytmie im Sitzen etc
Aus Schaden wird man klug sagt man doch so aber meine Intelligenz bzw mein Geist hat den größten unwiederbringlichen Schaden erlitten!
lg e

--
Angst die Hoffnung zu verlieren soll nicht mein Leben bestimmen!
Sommer 2o19 bewußtlos ins ins Krankenhaus war nach vier Wochen wieder heim unter Betreuung meiner Tochter.

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Selbstmord Karen Friesecke

Idefix, Körbchen, wenn ich nicht gerade rumflitze, (vor 3715 Tagen) @ W.W.

Der beste Koch der Welt auch

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/schweizer-sternekoch-benoit-violier-begeht-selb...

Das ist brutal, auch erfolgreiche Menschen sind nicht vor Depressionen geschützt. Das ist doch so oft so, die Fassade ist glänzend... Nur schaut kaum noch jemand hinter die Fassade. Mein Kindheitsspielkamerad war ein erfolgreicher Handwerker und hat sich vor über einem Jahr aufgehängt. Das war wiederum kein Selbstmord im Affekt, der war von langer Hand geplant.

Die Psyche ist so schwer berechenbar. Und so schwer zu erklären....

:heelsr: :heelsr:
Idefix:confused:

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Selbstmord Karen Friesecke

W.W., (vor 3715 Tagen) @ Idefix

Worauf ich hinauswill: Könnte es sein, dass man sich leichter und grausamer umbringt, wenn man SSRI einnimmt?

W.W.

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Selbstmord Karen Friesecke

Idefix, Körbchen, wenn ich nicht gerade rumflitze, (vor 3714 Tagen) @ W.W.

Guten Morgen W.W.,
ich habe lange über Ihre Frage nachgedacht, in meinen Erinnerungen gekramt und aktuelles einbezogen.

Ich glaube es hat mit der Persönlichkeitsstruktur zu tun in wie weit AD negative Auswirkungen entwickeln können.
1. Wie jmd von vorn herein gestrickt ist. Es gibt viele die eher eine traurige, fatalistische Lebenseinstellung haben.
Kämpfernaturen, die zienlich trainiert darin sind um ihr Leben zu kämpfen, grds eine positive Lebenseinstellung.
2. Die Problematik des gestörten Hirnstoffwechsels, wie bei manisch Depressiven.
Wir hatten bei uns einen Frau auf der Station, die war die totale Stimmungskanone, wenn sie gut drauf war. Wenn sie ins Loch gefallen ist, lag sie maximal depressiv im Bett und ward nicht auf dem Gang gesehen. Bei der Therapie ging es darum, ihre Stimmungsschwankungen in ein Fenster zu bekommen, wo die Maximalpunkte abgeschnitten sind. Va. die ausschläge nach unten..
3. Depressive sind eigentlich starke Menschen, die nach außen sehr gut funktionieren. Siehe Robert Enke, ein erfolgreicher Torwart.
4. Wie Depressionen entstehen ist trotzdem genauso variantenreich wie MS.
5. Tiefenpsychologie ist bei manchen die richtige Therapieform. Verhaltenspsychologie kann bei wiederum anderen genau das Richtige sein. Ich denke manchmal spielt auch das Alter eine Rolle. Ich finde je älter die Parienten sind desto problematischer finde ich Tiefenpsychologie.
Manchmal sollte man mit Dingen, die lange zurück liegen abschließen. Ich mag zwar nicht seinen Umgang mit seinem Ansatz (Hellinger), aber doch finde ich ihn inspirierend.

Zusammenfassend möchte ich feststellen,
es kann durchaus möglich sein, daß AD depressive in die Lage versetzen Suizid zu begehen. Wenn ich meine Autubahnbrückenpfeiler verschönern wollte, sollten andere nicht mit reingezogen werden... Es waren immer andere Autos da. Ansonsten gewann mein Mann den Sprint zum Autoschlüssel...
Viele Patienten glauben, daß eine Tablette alles gut macht.
Eine Tablette ist nichts weiter als eine Leiter um aus dem Loch zu krabbeln, Kräfte zu sammeln und seine Probleme zu lösen, hups, man hat immer die Wahl zwischen positiv und negativ. Wenn man in einer Therapie nicht gelernt hat seine Kräfte positiv zu nutzen kann die Problemlösung auch mit der Selbstelimination für denjenigen einhergehen.
Mist, vielleicht liegt es auch daran, daß wir als Gesellschaft es verlernt haben einen anderen in seiner Schwäche zu tragen. Wir sind alle so intelligent, so schön und so erfolgreich. Wir rennen mit einer Maske umher und kaum jmd macht sich dahinter zu schauen....

Idefix
:heelsr: :heelsr:

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Selbstmord Karen Friesecke

W.W., (vor 3714 Tagen) @ Idefix

Ich glaube es hat mit der Persönlichkeitsstruktur zu tun in wie weit AD negative Auswirkungen entwickeln können.

Ja, das glaube ich auch! Wenn es etwas Zerstörerisches in mir gibt, kann das durch Antidepressiva beeinflusst werden. Aber es kann auch sein, dass tief in mir die Sehnsucht nach Harmonie überwiegt, dann könnten Antidepressiva auch dieses Bedürfnis fördern.

Es kommt also darauf an, wann man in welche Glut bläst. Das klingt so einfach, aber es ist es nicht. Gestern sahen meine Frau und ich die letzte Folge von 'Twin Peaks', wo es um die schwarze und die weiße Höhle geht. Es kommt darauf an, mit welchen Gefühlen, Hoffnungen, Ängsten und Aggressionen am Eingang steht und um Einlass bittet.

Wenn man in seiner tiefen Depression sich selbst und die Menschen und die Welt hasst, dann können Antidepressiva möglicherweise das abgrundtief Böse in uns verstärken.

Sie können uns also helfen (häufig), aber auch zerstören (selten). Ich glaube, das geht über den Horizont des normales Psychiaters.

W.W.

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Selbstmord Karen Friesecke

Idefix, Körbchen, wenn ich nicht gerade rumflitze, (vor 3714 Tagen) @ W.W.

Da kann ich Ihnen nur zustimmen.

Als ich im Nervenkh war sucht ich nach meiner dunklen Seite und fand meine innere Gabunviper (Wie sagte ein Pfleger aus der Wilhelma so nett sie hat 5cm lange Giftzähne und ihr Gift ist ziemlich ungesund. Der Weg zum Serenschrank kann zu weit sein rofl .)
Warum weil ich immer als die Gute, Liebe, Starke wahrgenommen wurde. Ich wollte egoistischerwerden und auch mal fies gegen andere. Das gefiel mir gar nicht. Es passte eigentlich so gar nicht zu mir. Stimmt ich habe gelernt mich mehr selbst zu verteidigen und auch mal fies zu sein Aber es passt einfach nicht zu meiner Grundpersönlichkeit.

Ich kann schon mit der dunklen Seite der Macht kokettieren aber mit Darth Vader hatte ich es nicht so, lieber Yoda :-) .
Dabei muß ich einfach auch den Teil meiner Persönlichkeit den ich manchmal als nervig empfinde und und andererseits als Kraftquelle schätze. Es ist alles andere als einfach immer das Guti zu sein, die Spannungen bei anderen wahr zu nehmen. Citalopram hat mir ermöglicht eine professionelle Distanz zu entwickelt, die es mir ermöglicht auch mal einen gesunden Egoismus zu entwickeln und auch auf meine Kräfte zu achten.

Ok das hat mich auch die MS gelehrt,daß ich nicht immer so perfekt und belastbar bin wie früher. Ich kann mir erlauben auchmal unperfekt und kraftlos zu sein. Die anderen haben diesmal Verständnis zu haben. Wenn nicht dann eben nicht. Früher hätte ich das nicht ausgehalten.
Alle sollten mich gerne haben, dafür habe ich mich bis zur unkenntlichkeit verbogen... Das zu ändern habe ich mit meinen Psychologen gelernt :-)

:heelsr: :heelsr:
Idefix

Jetzt gehe ich meinen Opa vom Stock besuchen, da mich gestern Nachmittag Kopfschmerzen umgeworfen haben... That's life

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Selbstmord Karen Friesecke

W.W., (vor 3714 Tagen) @ Idefix

Nicht schlecht! Gar nicht schlecht! Und das mit dem Psychologen? Das hört man häufig. Nur das wirklich jemand getan hat, das hört man selten. Aber niemand ist vollkommen!:-(

Aber ohne Witz: Ich finde Ihre Geschichte sehr eindrucksvoll. Und ich hoffe, niemand hat es geschafft, Sie umzudrehen.

W.W.

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Selbstmord Karen Friesecke

Idefix, Körbchen, wenn ich nicht gerade rumflitze, (vor 3714 Tagen) @ W.W.

Danke :ok:
Ich habe in am Ende meines ersten Nervenzusammenbruches kennengelernt. Er war der Stationsarzt der Nachbarstation und die Cemie hat auch gleich gepasst. Wenn ich mal wieder abfliegen wollte hat er mich auf den Boden zurückgeholt und wenn ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sah veranlasste er mich zu einem Perspektivwechsel. Von ihm habe ich auch das Stoppschild, wenn die Emotionen mal wieder die Oberhand gewinnen wollen. Ich schaffe es auch heute noch je nach Tagesform mich in Dinge reinzusteigern. Irgend wann meldet sich der Verstand und fragt einfach "Spinnst Du." Dann hol ich ganz bildhaft mein Stopschildraus und bremse meine Hamsterräder ab. Wenn man einen Perspektivweechsel durchführt sieht vieles anders aus, Heisenbergsche Unschärferelation in Anwendung rofl .
Sich und seine Empfindungen auch mal einfach mit Humor sehen. Ich hatte schon früher einen schwarzen Humor nach der Chemo war er rabenschwarz.

Für mich war die Psychotherapie die Möglichkeit mich zu überarbeiten ;-) Perfektionieren?!? Mir war klar, daß durch meine Erkrankungen, mein Leben sich massiv verändern würde (natürlich wollte ich es nicht von Anfang an wahr haben) aber ich wollte leben und das so gut wie möglich.

Ich bin zu nüchtern um mich von großen Heilsversprechen beeindrucken zu lassen, trotzdem denke ich daß man einen gangbaren Weg mit der MS finden kann.

Schönen Abend
Idefix
:heelsr: :heelsr:

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W.W., (vor 3713 Tagen) @ Idefix

Danke :ok:
Ich habe in am Ende meines ersten Nervenzusammenbruches kennengelernt. Er war der Stationsarzt der Nachbarstation und die Cemie hat auch gleich gepasst. Wenn ich mal wieder abfliegen wollte hat er mich auf den Boden zurückgeholt und wenn ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sah veranlasste er mich zu einem Perspektivwechsel. Von ihm habe ich auch das Stoppschild, wenn die Emotionen mal wieder die Oberhand gewinnen wollen.

Sie haben das sehr beeindruckend geschildert, und obwohl ich sonst sehr skeptisch bin, glaube ich Ihnen. Es gibt solche Menschen, und es ist gut, wenn man ihnen begegnet.:-)

W.W.

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