Am Anfang war ... (Allgemeines)

Boggy, (vor 2 Stunden, 10 Minuten) @ MO

"Diagnose MS. Jetzt erst recht!" das ist typischer Zweckoptimismus und richtet sich bestimmt an Neudiagnostizierte unter Schock.
Was ich sagen will, wenn mein ICH von vor über zwanzig Jahren deinen aktuellen Post lesen würde, deine Botschaft käme bei mir (noch) nicht an.

Lieber MO,
wäre spannend, wenn Neudiagnostizierte dazu was schreiben würden. Ich vermute aber, daß wir kaum Neudiagnostizerte bei uns finden. Wir sind ja inzwischen eher so was wie ein MS-Veteranen-Club.

Jedenfalls ist mir nach meiner Diagnose ein Gefühl oder ein Impuls wie "jetzt erst recht" absolut nicht in den Sinn gekommen. Ich hätte gar nicht gewußt, was ich denn "jetzt erst recht" machen sollte. Ich war in einer Mischung aus Schreck, Nicht-Wissen (das behoben werden mußte), Orientierungsversuchen usw. Und ich brauchte etwas Vertrautes, etwas, das absehbar bleiben würde, durch die Erschütterungen und Ungwißheiten hindurch.

Für mich war das damals die Überlegung, daß ich mich bemühen könnte, alles, was nun geschehen würde (oder zumindest einen Teil) als Teil meines Meditations-Weges zu begreifen, und zu überlegen, wie ich diese kommenden Ereignisse zu einer Art Übungen auf dem Weg machen könnte. Das ist vielleicht auch eine Form von Bemühen um "Zweckoptimismus".
Es hat geholfen. Und viele meiner Schwierigkeiten durch MS kann ich und mache ich, und manchmal NOTgedrungen, auch zu einer Art Übung, oder begleite sie durch Übung(en).
Das ist gut für mich und hilft oft. Aber nicht immer. Oft ist es (inzwischen) ein mühsames mich durch den MS-Krankheits-Alltag schleppen.

Immerhin: Noch ist Boggy nicht verloren!
:-)

Lieben Gruß
Boggy

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Um unserer persönlichen und gesellschaftlichen Freiheit willen müssen wir immer wieder die Saat des kritischen Verstandes und des begründeten Zweifels säen.


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