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Die Wirkung ist auch hier gewichtsabhängig (Therapien)

naseweis ⌂, in meinem Paradies, (vor 3543 Tagen)

Body-Mass-Index beeinflusst die Interferon-Wirkung

Fragestellung: Hat der Body-Mass-Index (BMI) Einfluss auf die klinische Wirksamkeit der Interferone bei der Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS)?

Das war ja schon in der Diskussion:
Hat das Gewicht Einfluss auf Multiple Sklerose ?
08.10.2014 - Studien zufolge könnte das Abspecken sogar eine bestehende MS lindern. Dr. Ruth Ann Marrie wies darauf hin im Rahmen des MS-Weltkongresses in Boston.

Jetzt hat man/frau tatsächlich mal die (vermeintliche) Wirkung der Interferone bei unterschiedlichem BMI untersucht.

Hintergrund: Alle Immuntherapien, die für die Behandlung der MS zugelassen sind, werden in einer identischen Dosierung gegeben. Eine gewichts- oder BMI-adaptierte Dosierungsanpassung wird eigentlich — von Immunglobulinen abgesehen — nie vorgenommen. Das hat weniger mit der fehlenden Notwendigkeit zu tun als vielmehr mit der Tatsache, dass für die Zulassung von Immuntherapien in der MS von den Zulassungsbehörden bisher zwar mindestens zwei Phase-III-Studien gefordert werden, aber keine Dosis-Wirkungs-Studien, die sehr aufwendig und teuer wären.

Das Ergebnis war ja fast zu erwarten:
In der Gruppe der übergewichtigen Patienten mit einem BMI > 25 zeigten 80 % der Patienten eine MRT-Aktivität, gegenüber nur 48 % der Patienten in der normal- beziehungsweise untergewichtigen Gruppe. Das klinische Kriterium „no evidence of disease activity“ (NEDA) erfüllten ferner nur 13 % der Patienten in der Gruppe der übergewichtigen Patienten, aber immerhin 26 % der Patienten in der Gruppe der Normal- beziehungsweise untergewichtigen Patienten.

Schlussfolgerung: Die norwegischen Kollegen schlossen hieraus, dass der BMI die Wirksamkeit des Interferons maßgeblich beeinflusst. [Wow]

Den ganzen kommentierten Abstract auf Deutsch findet ihr bei Springer-Link den englischen Originaltext bei Pubmed

  • Ob die jetzt mit dem ursprünglichen BMI oder schon mit dem korrigierten BMI (Alter & Geschlecht) gerabeitet haben, bleibt offen.
  • Ob Interferone der richtige Weg sind, bleibt trotzdem dahingestellt.
  • Ob NEDA ein guter Weg der Krankheitsbeurteilung ist, bleibt auch noch offen.


Nachtrag zur Sinnhaftigkeit des BMI:

Beide Rechner erzeugen bei mir den gleichen BMI,
der Eine bezeichnet mich aber als leicht übergewichtig,
der Andere als normalgewichtig.

Das alles von einem Computer aus, innerhalb von 3 Minuten.

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das Geheimnis der Medizin besteht darin,
den Patienten abzulenken,
während die Natur sich selber hilft (Voltaire)

Sisyphos hatte es auch nicht leicht

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