Warum wird ein Mensch eigentlich dement? (Allgemeines)

W.W. @, Dienstag, 26.07.2022, 12:44 (vor 19 Tagen) @ W.W.

Um es konkret zu machen:

1. Ein alter Mann hat Spaß daran in seinem Garten, durch den ein Bach fließt, wie ein Kind Abzweigungen und Staudämme zu bauen - und man lässt ihn gewähren. Eines Tages ist die Familie für ein paar Stunden weg. Als sie wiederkommen, steht ihr Gärtchen unter Wasser und es reicht sogar schon an die Veranda heran. Der alte Herr scheint verwirrt zu sein und erklärt, er plane ein Wasserkraftwerk, das das ganze Haus mit Strom versorgen solle. Als man ihm das ausreden will, behauptet er, er hätte schon die ganze Zeit das Gefühl, er werden vergiftet, und stellt die Nahrungsaufnahme ein.

2. Eine über 80jährige Dame, deren Mann schon lange tot ist, kann nur noch mit einem Gehwagen gehen, aber sie erkennt noch alle Familienmitglieder und auch viele vertraute Menschen. Sie weiß auch praktisch alles, was in ihrem kleinen Kreis um sie herum vorgeht. Sie sagt nicht viel, nimmt aber ganz offensichtlich am Familienleben Anteil. Als man ihr verschlägt, aus ihrer Wohnung im 2. Stock, in der sie seit Jahrzehnten wohnt, in eine eigens für sie eingerichtete Wohnung im Erdgeschosses desselben Hauses umzuziehen, weil sie dann keine Treppen mehr steigen muss, weigert sie sich hartnäckig.

3. Jemand hat seit seinem 70jährigen Geburtstag Schwierigkeiten, sich an alte Schlager zu erinnern und wer sie gesungen hat, und er ist auch in allem langsamer geworden und gerät häufiger außer sich, wenn zu viel auf ihn einströmt.

Kann man diese drei Fälle miteinander vergleichen? Ich meine ja. Vor allem meine ich, dass die nachlassende Hirnleistung nicht unbedingt eine Krankheit ist, sondern auch eine Alterserscheinung sein könnte, die den einen mehr, den anderen weniger trifft.

Und ich meine, dass man sich auf einen Irrweg begeben könnte, wenn man meint, gegen die Demenz sei kein Kraut gewachsen -, höchstens ein Medikament, das erschöpfte Nervenspeicher wieder auffüllt. Wen man nämlich die abnehmende Hirnleistung als Krankheit ausfasst, die man medikamentös behandeln müsse, dann übersieht man, dass es auch andere Wege gibt, um einem alten Menschen zu ermöglichen, so lange wie möglich, in seiner vertrauten Welt zu leben.

W.W.

PS: Ich meine übrigens damit nicht, die Demenz zu 'psychologisieren', sondern ich plädiere dafür, dass man ganz 'normal' mit ihr umgeht.

PPS: Könnte es nicht auch sein, dass Winfried Kretschmann als relativ alter Mensch die Politik seines Landes gut führen kann?


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