Ich habe in Sallys Café einen bemerkenswerten Beitrag gefunden! (Allgemeines)

W.W., (vor 3407 Tagen) @ W.W.

Die Lebensweltorientierung: Ich habe etwas nachgelesen. Ich glaube, es gibt ein Buch, das mich sehr beeinflusst hat, das vermutlich kaum noch jemand kennt. Es war von Bollnow, und ich finde es natürlich in den Untiefen meiner Bibliothek nicht mehr.

Ich denke, Bollnow war ein Pädagoge, der von Husserl und Heidegger her kam, und Wert darauf legte, dass wir die Welt so verstehen, wie sie uns im alltäglichen Leben zugeführt wird.

Ich erinnere mich noch daran, wie in unserer industriellen Auffassung der Fluss zu einem Verkehrsweg und der Wald zu einem Holzlieferanten wird. Wenn wir uns die Welt auf diese Weise 'zu Nutze' machen, dann entzaubern wir sie tatsächlich.

Dann werden wir mehr und mehr zu Rädchen in einem riesigen Produktionsprozess. Aber so fängt es schon in der Kindheit an, wenn die Großmutter nicht mehr die Märchenerzählerin ist, und das Spielen in verwahrlosten Gärten keine Chance mehr hat im Vergleich zur Sesamstraße.

Und müssen nicht auch unsere Vorstellungen von Arbeit, Liebe und Schönheit leiden, wenn sie mit Barbie-Puppen, Liebesfilmen und Playboys konkurrieren? Was ich damit sagen will, ist, dass die jetzigen Menschen und Jugendlichen in einer ganz anderen Lebenswelt leben, und dass ich sie nicht mehr verstehe.

Was das mit der MS zu tun hat? Abgesehen vom Generationenproblem, also dass die Romantiker sich z.B. über Goethe und Schiller lustig gemacht haben oder Brecht über Gerhard Hauptmann, es gibt auch in derselben Generation ganz andere Lebenswelten.

Die Lebenswelt des Industriearbeiters ist anders als die des Bauern und diese anders als die des Versicherungsvertreters. Aber wir Kinder bleiben für immer und ewig Arbeiterkinder, Bauernkinder und Angestelltenkinder, auch wenn wir uns dagegen noch so auflehnen.

W.W.

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