Coping - Krankheit annehmen - kein Esoquatsch (Therapien)

W.W., (vor 3356 Tagen) @ Wulf-Eberhard

Ihre Krankheit lässt sie -wenn auch eingeschränkt - leben, da kann man es sich gemütlich machen und in Romantik schwelgen ....,meine nicht, da kann man nur untergehen oder hochkommen.

Ja, das war es, was ich meinte. Ich will etwas sehr Persönliches dazu sagen: Meine Frau hat mir bei der 2. Hirnblutung gegen meinen Willen das Leben gerettet, und es war außerordentlich fraglich, wie ich nach der Operation aus der Narkose erwachen würde. Aber sie hat mir, weil Sonntag war, aus irgendeinem koreanischen Restaurant Weintrauben und geschnittene Apfelstücke besorgt. Und mich nicht im Stich gelassen.

Als es mir langsam wieder etwas besser ging, und ich mich schon auf mein erstes Bierchen freute, hat sie mir ein so großes Theater gemacht, dass ich seitdem keinen Alkohol mehr trinke. Jedermann weiß doch, dass ein Fläschchen Bier abends doch nicht zu einer neuen Hirnblutung führt?! Und dass das Leben ohne ein bisschen Alkohol überhaupt keinen Spaß mehr macht!

Und dennoch: Mit meiner Frau war nicht zu diskutieren, und seitdem ich die Krankheiten hinter mir habe, bin ich ihr ausgeliefert.

Was wollte ich damit sagen? Ich könnte über vieles klagen, obwohl ich so viel Glück gehabt habe, aber es wäre verrückt. Ohne kitschig werden zu wollen, könnte ich mir vorstellen, dass man auch durch die MS Dinge erfährt, die man früher verächtlich abgetan hätte - so, wie ein Sechzehnjähriger über Eichendorff-Gedichte die Nase rümpft.

W.W.

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