"Wir alle sind potenzielle Verschwörungstheoretiker" (Straßencafé)

W.W., (vor 3037 Tagen) @ Boggy

Lieber WW,
ich neige allmählich dazu - und ich hoffe, ich trete Ihnen damit nicht zu nahe, Sie für einen Meister der (Selbst-)Verwirrung zu halten.

Das will ich nicht abstreiten! Der (nicht genannte) Hintergrund dieses Threads war tatsächlich eine Frage, die Ihrer Diagnose relativ nahe kommt: Gibt es nicht so schrecklich viel Unsinn in den Zeitungen und in den Büchern, dass man darin erstickt?

Mein Schwiegerfreund, den ich sehr schätze, fragte mich Heiligabend, als wir über Wittgensteins "Käfergleichnis" diskutierten, ob ich meine geistigen Kräfte nicht vergeuden würde, wenn ich versuchte, Sinn im offensichtlichen Unsinn zu erkennen. Damit meinte er an erster Stelle Wittgenstein und Heidegger.

Es wäre also denkbar, dass es mir irgendwelche Scharlatane besonders angetan hätten (so wie damals Kant von Swedenborg angetan war), und indem ich nicht erkenne, dass sie Klugschwätzer und Schaumschläger sind, mir meine Zeit mit ihnen um die Ohren schlagen würde. Ich meine, hier im Forum sei wiederholt dasselbe behauptet worden: Manche Leute können einem um den Verstand reden!:-( Damit sind allerdings weniger Wittgenstein und Heidegger, sondern ich selbst gemeint.:-( :-( :-(

Und ich äußere einmal kühn die Vermutung, daß es Ihnen schwer fällt, "Gleichzeitigkeit" zu denken (und ich kann mich irren!), also: etwas kann sowohl richtig als auch falsch sein.
Was es gerade ist, hängt davon ab, von welchem Standpunkt aus der Betrachter gerade schaut, und unter welchen jeweils unterschiedlichen Bedingungen, zu welcher Zeit und an welchem Ort, und welchen Aspekt der Angelgenheit er gerade untersuchen will, und welche Interessen er verfolgt. usw.

Ihr Beispiel ist interessant! Ich bin überzeugt, dass Einstein mit seiner Kritik der "Gleichzeitigkeit" Recht hat. Es gibt keine Gleichzeitigkeit! Und dennoch berührt es auf eine merkwürdige Weise schon wieder mein Problem: Es ist mathematisch und physikalisch völlig klar, dass es keine Gleichzeitigkeit gibt, und dennoch würde ich mit Goethe sagen: "Es ist mir so egal, wenn ich an einen lieben Menschen denke, dann "weiß" ich, dass er (egal, wo er grade ist) meine Gedanken in dem Moment erreichen, wo ich sie denke. Und sei er 2 Lichtjahre entfernt!"

Ich glaube also einerseits der Naturwissenschaft, weil sie mich logisch überzeugt), andererseits halte ich sie für unsinnig. Sie scheint mir nur dafür gut zu sein, Dinge messbar zu machen und dem menschlichen Geist zu unterwerfen.

W.W.

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