FAZ-Beilage (Therapien)
Ich habe gerade eben erst das Posting und den ganzen Thread gelesen.
So habe ich parallel in einer Facebook-Gruppe darüber geschrieben und mich dabei vor allem mit der Rolle von Frau Seidinger beschäftigt.
Im Internet ist der Beitrag übrigens - zumindest für mich - nicht als Anzeige/Werbung ersichtlich, sondern als themenbezogene Verlagsbeilage.
So etwas kenne ich z.B. von der "Süddeutschen Zeitung" zu den Themen "Golf" oder "Wellness". Dort wird aber klar zwischen Anzeigen und redaktionellen Beiträgen unterschieden (wobei man sich natürlich auch fragen kann, warum ein bestimmter Beitrag über ein konkretes Wellness-Hotel oder ein spezielles Weingut erscheint).
Das Perfide an der FAZ-Beilage ist, dass das Anna-Seidinger-Institut 2 Geschäftsbereiche hat: einerseits ist es spezialisiert auf "Management-, Markt- und Medieninformationen im Gesundheitsbereich" und für das Verlagsspezial der FAZ verantwortlich, andererseits berät es Pharmafirmen zur „Gewinnung neuer Kunden“ und „Bindung bestehender Zielgruppen“. Also eine ideale Gelddruck-Maschine.
Hier 1:1 mein Beitrag aus der Facebook-Gruppe:
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"Es ist leider schlimmer:
Es handelt sich nicht um eine Anzeige, sondern es handelt sich tatsächlich um einen redaktionellen Beitrag mit klaren Marketing-Absichten. Es geht dabei um „nachhaltige Positionierung von medizinischen Sachverhalten in der Medienlandschaft“ (Anmerkung: warum muss man medizinische Sachverhalte „nachhaltig positionieren“ – reicht es nicht zu informieren ? „Nachhaltig positionieren“ muss man nur etwas, wenn man kommerzielle Absichten – eigene oder diejenigen Dritter – verfolgt).
Im Impressum zu diesem „Verlagsspezial“ liest man:
„Verantwortlicher für den Inhalt:
Anna Seidinger, Diplom-Biologin/MBA
Anna Seidinger Consulting,
Medien Medizin Marketing“
Auf der Webseite von Anna Seidinger Consulting (https://www.anna-seidinger.com) wiederum steht zu Frau Seidinger:
„Als Director Professional Education leitete sie in Deutschland für Elsevier, dem größten medizinischen Fachverlag, das Pharmageschäft. Für Unternehmen der pharmazeutischen Industrie entwickelte sie maßgeschneiderte Lösungen – wie Newsletter, Kurzstudien und Veranstaltungen, um die Einführung neuer pharmazeutischer Wirkstoffe auf höchstem inhaltlichem Niveau zu unterstützen.
Als Senior Manager Business Development initiierte sie im F.A.Z.-Institut für Management-, Markt- und Medieninformationen den Gesundheitsbereich und entwickelt ein Konzept für die klassische F.A.Z.-Verlagsbeilage. Heute realisiert sie dieses Format für ausgewählte Gesundheitsthemen direkt im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.“
Aus dem Leitbild:
„Anna Seidinger Consulting bietet Unterstützung bei der Vermittlung von gesundheitsrelevanten Themen, bei der Information über neue Therapieoptionen und bei der nachhaltigen Positionierung von medizinischen Sachverhalten in der Medienlandschaft.“
Erschreckend ist auch, dass Frau Seidinger, die das alles verantwortet, das Pharmageschäft in Deutschland für Elsevier, den größten medizinischen Fachverlag, geleitet hat. Sehr interessant ist der Wikipedia-Artikel zu Elsevier: https://de.wikipedia.org/wiki/Elsevier. Elsevier ist schon mehrfach aufgefallen durch dubiose Praktiken. U.a. haben sie Marketingjournale von Pharmafirmen publiziert, die wie Fachzeitschriften aufgemacht waren …
Ach ja – dann gibt es noch das „Munich Health Institute“ (http://munich-health-institute.com/de/), welches - siehe Impressum - ein Geschäftsbereich der „Anna Seidinger Consulting“ ist.
Dort steht:
„Unabhängige Beratung für das Gesundheitswesen.
Die strategische Entwicklung, die nachhaltige Positionierung und deren wirkungsvolle Kommunikation sind im Gesundheitswesen wichtige Erfolgsfaktoren. Ein erfolgreicher und stimmiger Auftritt fördert die Gewinnung neuer Kunden und die Bindung bestehender Zielgruppen.
Genau dafür ist die Gründerin des Munich Health Institutes, Anna Seidinger, eine ausgewiesene Expertin.
„Ich unterstütze seit vielen Jahren renommierte Mediziner, führende Fachgesellschaften, Stiftungen sowie kleine und große Unternehmen im Gesundheitswesen. Kompetenz, Qualität, Leidenschaft und Kundenorientierung kennzeichnen meine Arbeit und die Zusammenarbeit mit meinen Kunden.“
Ihre
Anna Seidinger“
Dieselbe Firma von Frau Seidinger ist also einerseits für das Verlagsspezial der FAZ verantwortlich, andererseits berät sie Pharmafirmen zur „Gewinnung neuer Kunden“ und „Bindung bestehender Zielgruppen“.
Da wird mir wirklich ganz schlecht – und das müsste eigentlich von einem der politischen TV-Magazine (Report, Frontal 21, etc.), mal aufgegriffen werden."
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Michael