Über die Ursache der MS (Allgemeines)
Und wie ist es mit den oligoklonalen Banden, die so typisch für die MS sein sollen? Warum sind sie nicht immer positiv? Und wenn es wirklich Antikörper sind, wogegen sind sie gerichtet?
Im Grunde genommen traute ich nicht einmal der Aussage mehr, die für viele MS-Forscher so etwas wie eine heilige Kuh ist: Wer in einem Land geboren ist, in dem die MS häufig ist, und vor dem 15. Lebensjahr auswandert, behält die hohe MS-Rate seines Herkunftslandes, und wer erst danach auswandert, nimmt die MS-Rate des Landes an, in das er eingewandert ist. Und umgekehrt: Wer aus einem Land, in dem die MS selten ist, vor dem 15. Lebensjahr in ein Land mit hoher MS-Rate auswandert, der wird diese hohe Rate annehmen, tut er es erst später, wird er nicht häufiger an MS erkranken, als ob er hier geboren wäre.
Die Statistik, die sich hinter diesen Zahlen verbirgt, ist so schwierig, dass ich niemanden kenne, der sich ernsthaft damit auseinandergesetzt hat, und ich könnte mir vorstellen, man wäre entsetzt über die Rechenfehler, Irrtümer und falschen Voraussetzungen, wenn man sich die Mühe machen würde, die Zahlen nachzurechnen. Ich denke aber, sie sind schon längst vernichtet und nicht mehr zugänglich.
Wie dem auch sei, mein Projekt musste scheitern, weil nichts, was wir über die MS zu wissen meinten, sicher genug war, um es als unbezweifelbar anzusehen. Es blieb einfach nichts übrig, über das man sich wirklich sicher war!
Ich meine schon, den nächsten Einwand zu hören: Aber doch wenigstens ist doch das sicher, dass die MS eine Entzündungskrankheit ist! Nein - auch hieran habe ich meine Zweifel: Auch ein Hirninfarkt weist deutliche Entzündungszeichen auf, also eine Krankheit, die darauf beruht, dass Hirngewebe schlecht mit Blut versorgt wird und abstirbt und primär sicher nichts mit einer Entzündung zu tun hat. Aber sekundär kann ein Hirninfarkt wie eine Entzündung aussehen, wenn nämlich Abräumzellen und Lymphozyten in das abgestorbene Gewebe eindringen, um es zu säubern.
Das heißt, ich zweifele auch daran, dass das Vorkommen von Lymphozyten die Schlussfolgerung zulässt, es handele sich eine 'chronische Entzündung'. Ich bin überzeugt, dass die Studie von Barnett und Prineas (Ann Neurol 2004) die ganze MS-Forschung auf den Kopf stellt. Es wurde das Gehirn eines 14-jährigen Mädchens untersucht, das 17 Stunden nach Beginn eines MS-Schubs verstorben war.
Um keine Panik aufkommen zu lassen, das ist ausgesprochen selten, aber in diesem Fall ist es vorgekommen, und der angesehene Neuropathologe Prineas hat den frischen Herd untersucht - und fand keinen einzigen Lymphozyten!
Wenn die MS-Herde, wie immer wieder behauptet wird, Ausdruck einer chronischen Entzündung seien, müsste der Herd voller Lymphozyten gewesen sein, aber das Gegenteil war der Fall, und der Befund weist eher darauf hin, dass die Lymphozyten erst im Nachhinein einwandern (wie nach einem Hirninfarkt), um das untergegangene Gewebe zu beseitigen. Es sind also Abräumzellen, und nicht Zellen, die primär das Gewebe angreifen.
Und wo wir gerade dabei sind: Ich weiß inzwischen auch, dass MS-Herde nicht rund oder oval sind. Sie erscheinen auf mikroskopischen Schnitten und auf NMR-Bildern so wie ein Rohr, das auf Querschnittsbildern rund erscheint, in Wirklichkeit aber langgestreckt ist. Genau so ist es mit MS-Herden: Sie umgeben als langgestreckte Herde die Venen.
Und die berühmte EAE, die experimentelle allergische Encephalomyelitis? Das Tiermodell der MS? Ich glaube nicht daran! Die EAE-Herd weicht in einigen Punkten von der MS ab und vor allem: Die EAE verläuft nicht schubförmig, was ja gerade das Charakteristikum der MS ist. Und Mäuse, Goldhamster und Pinseläffchen bekommen gar keine MS, jedenfalls nicht aus psychischen Gründen!
Wer einen Hammer hat, hält alles für Nägel!
Ich habe also große Zweifel daran, was wir wirklich über die MS wissen. Es gibt eine riesige Quelle des Irrtums: Was man für richtig hält, hat eine enorme Verführungskraft. Wenn man einen Hammer hat, sieht alles um einen herum aus wie Nägel, hat Mark Twain einmal gesagt, und wenn man z.B. meint, die die MS sei eine Ernährungskrankheit, dann wird man überall Hinweise darauf finden, dass sie eine Ernährungskrankheit ist.
Der Zuckerkonsum ist in Europa und Nordamerika höher als am Äquator, und man isst mehr aus Dosen usw.
Und wenn man die MS für eine Vergiftung hält, dann findet man zuhauf Hinweise darauf, wie Vergiftungen das Gehirn schädigen. Z.B. Quecksilber resp. Amalgam.
Und geradezu hoffnungslos wird es, wenn man an die viele Viren und Bakterien denkt, die an Türklinken kleben, von Insekten übertragen werden und unseren Darm bevölkern: Borrelien, Chlamydien und weiß der Himmel was noch alles.
Die EBV-Stress-Hypothese
Da es gut in diesen Zusammenhang passt (Man glaubt, was man glauben will!) muss ich gestehen, ganz früher hatte ich an die EBV-Stress-Hypothese geglaubt.
W.W.