"Jenseits von Cortison" weiss man auch nicht weiter ! (Therapien)
Eigentlich eher ein Artikel für den Trauermonat November, alles in grau und im dichten Nebel sieht man kein Ziel.
Ich las den Artikel - und war merkwürdig berührt. Vordergründig schien es darum zu gehen, dass eine junge Frau so schrecklich von der MS betroffen worden war, dass sie unfähig zu sprechen und sich zu bewegen war, und nur noch eines tun konnte, um sich zu verständigen: Wenn sie einmal gegen das Bettgitter trat, hieß das ja, trat sie zweimal, sollte das nein heißen.
Aus diesem Zustand rettete sie ein Medikament namens Tysabri. Jetzt kann sie fast normal leben, ist nur ab und zu sehr müde. Aber sie hat Angst, denn je länger man das Medikament nimmt, desto größer wird die Gefahr, dass sie eine PML bekommt. Aber eigentlich möchte sie trotz dieses Risikos, die Therapie so weitermachen, wie sie bisher war.
Aber ihr Arzt hat eine Lösung gefunden: Es gibt eine neue Wunderwaffe gegen die MS, die Daclizumab heißt, und sie ist bereit, darauf zu setzen.
Das ist eine anrührende Geschichte. Aber eigentlich steht in dem ganzen Artikel wenig Handfestes, noch nicht einmal, dass Tysabri die junge Frau aus dem Rollstuhl gebracht hat. Das sollen andere Medikamente gewesen sein, die sehr hoch dosiert worden waren, aber es blieben Lähmungen, Gleichgewichts- und Sehstörungen. Aber als sie Tysabri bekam, wurde es auch mit diesen Symptomen besser.
Jetzt sei ihr Gang noch immer etwas hölzern, die Sprache leicht verwaschen, und die lebenslustige Frau sagt, dass es ihr oft so gut gehe, dass sie vergesse, dass sie krank sei.
So weit erst einmal. Irgendetwas verwirrt mich an dieser Geschichte. Es geht mir also wie Naseweis. Dieser jungen Frau haben doch die Ärzte auf eine wunderbare Art helfen können! Was sollte es daran zu mäkeln geben?
Und dennoch, ich fühle irgendwie, dass ich der Geschichte irgendwie nicht traue. Darf ich so etwas sagen? Obwohl ich die Patientin und den behandelnden Arzt gar nicht kenne. Und wo sie doch in einer der angesehensten Zeitungen Deutschlands steht???
Mir fehlen die Worte, und ich muss darüber nachdenken, ob ich ungerecht urteile, und den Fortschritt einfach nicht sehen will...?
Auch die Zitate leuchten mir nicht ein.
Von Heilung zu sprechen wäre ... verfrüht.
Den Grund dafür erläutert Heinz Wiendl, indem er zunächst das Muster, nach dem die meisten MS-Therapien im Wesentlichen ablaufen, anhand eines Beispiels beschreibt:
„Das Stück, welches das Orchester spielt, klingt falsch. Aber weil wir die Fehler im Notentext nicht finden, nehmen wir den Dirigenten oder die Solisten raus.“ Vom Verständnis der Partitur, also der Krankheit, seien er und seine Kollegen noch meilenweit entfernt.
Ich verstehe das nicht!?
Und Rainer Hohlfeld von der DMSG sagt:
Zugleich stellt sich zunehmend die Frage, ob es sich bei einer multiplen Sklerose auch wirklich immer um dieselbe Krankheit handelt.
Nicht einmal das Angriffsziel der Abwehrzellen auf den Nervenscheiden ist bislang gefunden: Welche Molekülstruktur erkennen sie als vermeintlich fremd und attackieren sie? Womöglich tut man sich so schwer, weil es dieses eine sogenannte Antigen nicht gibt.
Davon geht jedenfalls Reinhard Hohlfeld, Ko-Direktor des Instituts für klinische Neuroimmunologie der LMU München, aus: Weil sich hinter den Symptomen ganz unterschiedliche Krankheitsbilder verstecken, die auf verschiedenen Antigenen beruhen.
Stimmt diese Theorie, würde dies erklären, warum manchen Patienten auch mit den teuersten Medikamenten nicht zu helfen ist, während in anderen Fällen schon Interferon hervorragend wirkt.
Stimmt das wirklich?
Fragen über Fragen. Der Artikel hat mich nicht klüger gemacht. Warum eigentlich nicht? Und der Autor ist ausgezeichnet worden? Und er hat nichts mit Werbung für BIOGEN und Daclizumab zu tun?
W.W.