Gefahrenhinweis: Vorsicht Paranoia oder Allmachtsphantasie! und ein anderer Ausweg, anderes Glück (Allgemeines)

stefan ⌂, Berlin, (vor 3502 Tagen) @ W.W.

Wenn man sagen würde, glückliche Menschen haben statistisch weniger MS bzw. einen günstigeren MS-Verlauf, dann wäre das eine ziemlich lächerliche Aussage. Warum eigentlich?


Weil es so beliebig ist und nur Teuflisches draus folgt.

Glücklichere Menschen haben einen günstigeren Verlauf, entspannte Menschen, geliebte Menschen, schöne, kluge oder dumme?

Optimal wäre es, wenn das, was wichtig ist, statistisch erfassbar wäre, und das, was unwichtig ist, auch statistisch nicht nachweisbar ist. Ich fürchte aber, es ist genau umgekehrt: Was wirklich wichtig ist, kann man statistisch nicht messen; nur das, was unwichtig ist.


Und dann sollte das Glück und die Liebe gemessen und gewogen werden?

Und wenn ich einen schlechten Verlauf habe, dann haben mich meine Liebsten nicht ausreichend geliebt, ich war zu unglücklich, unzufrieden, unentspannt, bin zu hässlich, dumm oder klug?

Was für einen Nutzen und welche Folgen haben diese Betrachtungsweisen für meine MS? Für die Welt, die wir uns erzählen?

Dass wir alle versuchen, unser Leben möglichst aus unserer Sicht gut, schön, zufriedenstellen einzurichten, das geht doch gar nicht anders.

Und schlägt die MS zu, dann gilt es in der Weiheschen Logik irgendeinen Schuldigen, Verursacher zu finden. Irgendwas ist falsch gelaufen.

Diese Ideen halte ich für gefährlich, schwarz psychosomatisch, grundfalsch und krank.

Sie behindern eine gesunde Grundeinstellung zu mir selbst, zu meinem Leben, meiner Lebendigkeit, dass ich auch weiterhin der Welt offen begegne. Am Ende führen sie zu einer Paranoia oder Allmachtsphantasie - ich weiß was meine MS verschlimmert oder bessert..., jetzt habe ich Kontrolle - jetzt weiß ich es.... wie armselig, bzw. ich ertrage es nicht, dass es eben so ist, wie ist es, mir ein Stück vom Himmel auf den Kopf gefallen ist, ich kann nichts tun, niemand ist schuld.

Alles ist gut, sagt Sisyphos, rafft sich wieder auf in Götterverachtung, erträgt sein Schicksal, rollt weiter seinen Stein, bis er eben daran zerbricht. Absurd, aber wir sollten, müssen? uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen, rät Camus.

Das Glück des Sisyphos von Camus, das scheint mir soo ganz anders als jenes, das Du hier am liebsten messen möchtest.

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