Fazit: MS und Zivilisationskrankheit (?), Ernährung (?), "Lebensstil" (?) (Allgemeines)

W.W., (vor 2987 Tagen) @ fRAUb

Ja, das ist ein wichtiges Argument, gegen das ich mich auch nicht wehren kann.

Ich habe es versucht, indem ich so formuliert habe:

Nachtrag und die versprochenen Fallbeispiele
Der Teil, der jetzt kommt, ist mir besonders schwergefallen, und ich habe einen ärztlichen Freund um Rat gefragt. Er meinte, er stehe zwar meiner Ansicht, die MS sei eine „psychosomatische“ Krankheit, skeptisch gegenüber, aber vielleicht würde es ihm leichter fallen, sie zu akzeptieren, wenn ich einfach einmal alle meine MS-Fälle, die ich in einem bestimmten Zeitraum (z.B. im Jahr 2017) beraten hätte, mit den von mir vermuteten auslösenden Situationen auflisten würde.

Dann würde man doch sehen, ob meine Grundhypothese überhaupt stimmen würde, ob also wirklich die Mehrzahl der MS-Erkrankungen oder MS-Schübe nachvollziehbare seelische Belastungen aufgewiesen hätten denn zunächst einmal sei das doch nur eine Vermutung von mir und müsse erst durch eine Analyse bestätigt werden.

Zum zweiten wäre es sicherlich für viele Betroffene sehr wichtig, ob sie sich in den geschilderten Fällen wiederfinden würden und wie weit ich den Begriff "seelische Belastungen" gedehnt hätte, und drittens könne man dann leicht ermessen, wes Geistes Kind ich wäre.

Er meinte, wenn ich mir Mühe geben würde, könnte ich die Daten hinreichend anonymisieren, ohne dass wesentliche Inhalte verloren gingen. Aus einer Harfenistin würde dann eben eine Klavierspielerin und aus einer Lokomotivführerin eine Kranfahrerin und aus drei Geschwistern vier machen.

Ich habe eingewandt, dass dabei die Lebendigkeit der Schilderung Schaden nehmen könnte, aber er ist der Ansicht, das müsse ich in Kauf nehmen, denn mein Grundanliegen sei aus seiner Sicht akzeptabel. Tatsächlich behandle ich ja auch gar keine Patienten mehr regulär, weil ich ja berentet bin. Und alles Material, was ich habe, statistisch aufzuarbeiten? Das schaffe ich nicht, und außerdem wäre ein solches Unterfangen voller Ungenauigkeiten und Fallstricke. Trotzdem sehe ich auch jetzt noch eine Reihe von MS-Betroffenen, die aus ganz Deutschland kommen.

Ich muss an dieser Stelle kurz erwähnen, wie ich das mache. Ich nehme mir 1-2 Stunden für sie Zeit (und die Verwandten, die sie mitbringen - und eventuell sogar ihren Hund!), untersuche sie grob, schaue mir ihre MRT-Bilder an, und wir sprechen das ganze Krankheitsgeschehen durch, wobei mich besonders die auslösenden Situationen für die MS insgesamt und die einzelnen Schübe interessieren.

All das findet unter zwei Bedingungen statt: dass sie mich erstens nicht bezahlen wollen und mir zweitens keine Geschenke mitbringen. Über die Treffen mache ich mir Notizen, so dass ich Bescheid weiß, wenn sie mich immer wieder mal anrufen, was sie eigentlich immer tun.

Es müsste also nun - meint mein Freund , der selbst ein gestandener Arzt ist - für mich ein Leichtes sein, alle MS-Patienten, die ich 2017 gesehen habe, mit ihren auslösenden Situationen aufzulisten. Dann könnte man entscheiden, ob etwas an meiner Annahme dran sei, dass die MS nur in belastenden Situationen auftritt.

Ich gebe ihm völlig Recht, aber die Mühe ist enorm - und natürlich auch die Möglichkeiten, bewusst oder unbewusst diese Daten zu entstellen. Dennoch will ich heute damit anfangen, es zu tun und bitte um Geduld, wenn es mir nicht ganz leicht von der Hand gehen sollte und möglicherweise holprig und umständlich wirkt.

Die Fälle:

Fall 1
35-jährige Sopranistin aus Leipzig. Der Ehemann ist Pianist, und die beiden gehen zusammen auf Konzertreisen. Keine Kinder.
2004 1. Sehnerventzündung. Die Auslösung war möglicherweise der Tod ihres Hundes.
2005 2. Sehnerventzündung
2008 Taubheit des Kleinfingers
2009 nach Sauna rechte Körperhälfte taub
2010 starb ihr Vater, der ebenfalls MS hatte. Wegen Angstzuständen musste sie in der Psychiatrie behandelt werden. Sie hatte Angst, dass Bakterien und Viren ihre Stimme zerstören würden. Die Ehe der Eltern wurde wohl geschieden, als sie 4 Jahre alt war. Der Vater war Pfarrer, und ein jähzorniger Mensch. Sie habe ihn geliebt und gefürchtet und vergleicht ihn mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Der Vater starb 2010 an den Folgen einer Hirnblutung. Die Geschwister entschieden, dass die lebenserhaltenden Apparate abgestellt wurden. Aktuell hat sie wieder Gefühlsstörungen in der linken Hand.
Rat: Ich glaube, sie ist durch den Vater belastet, ob psychisch oder erblich kann ich nicht entscheiden. Ihre Sorgen wegen der MS (noch Gefühlsstörung der Hand) sind übertrieben: Sie ist mehr seelisch- als MS-krank. Ehe problematisch, obwohl ihr Mann sie verehrt. Aber sie ist wohl nicht ganz einfach. er sie verehrt sie wohl, obwohl sie sehr schwierig ist. Sie haben einen Hund (Mischling) angeschafft. Erst einmal wollen sie keine Kinder haben. Ich gehe von einem spinalen Herd aus und meine, die Gefühlsstörungen werden sich zurückbilden. Aber ihre Ehe und die Karriere??? Sie ist sehr nett, aber hochneurotisch!
(Natürlich werden sich viele darüber lustig machen, dass ich den Tod eines Hundes als Auslösung für einen Schub für denkbar halte. Ich gebe zu, dass könnte naiv sein, aber ich glaube, es ist oft so.)

...

W.W.

PS: Interessant ist auch folgende Überlegung: Wenn ich zufällig einmal auf einen Einwand eine triftige Stellungnahme abgeben würde (was mir im vorliegenden Fall sicher nicht geglückt ist:-( ), wäre es dann denkbar, dass der, der diesen Einwand geltend gemacht hat, sagen würde: "Ja, Sie haben Recht, und ich ziehe meinen Einwand zurück."
Ich fürchte, das wird genauso selten vorkommen, wie wenn ein Zeuge Jehovas zugeben würde, er habe falsch aus der Bibel zitiert.

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