MS als psychosomatische Krankheit? (3. Fassung) / Besprechung (Allgemeines)

W.W., (vor 3528 Tagen) @ agno

Es gibt viel dazu zu sagen. Erst einmal wird mir nach und nach (und dank dieses Forums) klar, wie beleidigend der Begriff 'psychosomatisch' ist. Das wusste ich nicht, habe es jetzt aber begriffen. Ich glaube sogar, dieser Begriff ist beleidigend, nicht weil er missverstanden wird, sondern weil er beleidigend gemeint ist. 'Psychosomatisch' will etwas Wankelmütiges, schwer Einschätzbares zum Ausdruck bringen, nicht Fisch und nicht Fleisch.

Mache ich mich als Familienangehöriger, Freund oder Mitarbeiter schuldig, wenn jemand Migräne bekommt? Muss ich mir Vorwürfe machen, wenn jemand einen Colitis ulcerosa-Attacke erleidet? Und was habe ich möglicherweise falsch gemacht, wenn jemand einen MS-Schub bekommt?

Es ist traurig, dass mir das 'Gespür' gefehlt hat, diesen Zusammenhang zu erkennen, obwohl er doch auf der Hand liegt. Ich fürchte, dieser Mangel an Sensibilität ist 'somatisch' bedingt, und ich führe ihn auf meine Hirnblutungen zurück. In meinem Gehirn ist etwas kaputtgegangen, wo so etwas wie 'höherer Anstand' sitzen könnte.;-) Das macht mich manchmal 'blind'. Meine Frau nimmt solche 'Taktlosigkeiten' wahr, während ich sie niemals merken würde.

Darum hat Moritz vielleicht auch Recht, dass ich das ganze Kapitel streichen sollte. Auch wenn ich spüre, dass ich den Finger auf etwas lege, was tatsächlich irgendwann einmal angesprochen werden sollte, muss ich es doch nicht tun!? Ein anderer könnte das bestimmt viel besser.

Und das mit der Psychotherapie? Auch hier fühle ich mich ertappt, weil ich immer mehr merke, dass ich sie eigentlich ablehne. Ich sehe all die Not, und ich sehe auch, dass es gut sein kann, darüber zu sprechen, aber ich lehne das 'Professionelle' ab. Und das Pädagogische. Und den Anspruch, je besser man über sich Bescheid weiß, desto besser kann man mit sich umgehen.

Ich sage das alles wohl anerkennend, dass Freud etwas ganz Wichtiges erkannt hat: Wir werden nicht von rationalen, sondern von irrationalen Mächten beherrscht. Ich glaube das auch, aber ich denke mit Goethe, Schiller und Kant, wir können sie zähmen, und ich bezweifle, dass es für dieses Projekt eine Methode gibt. Es gibt keinen psychotherapeutischen Algorithmus!

W.W.

PS: Und vielleicht ein letzter Punkt, der mir immer wichtiger wird: Ich will nicht, dass jemand meint, er könne in mich hineinsehen! Das lehne ich ab! Natürlich geht es mir um Disziplin. Ein disziplinierter Mensch neigt nicht zu Eskapaden! Manchmal ertappe ich mich sogar bei dem Gedanke, ein disziplinierter Mensch können keinen schlimmen Träume haben. Ich bin z.B. überzeugt, ich könnte nicht träumen, ein Kind zu töten oder eine Frau zu vergewaltigen.

PPS: Und ich habe das Allerwichtigste vergessen!:-( Dass wir 'verstrickt' sind! Wir können uns nicht einfach von unserem Job, unserer Frau und unseren Kindern trennen! Ich bin sehr konservativ und meine eher, wir könnten uns daran gewöhnen, dass Wanne-Eickel eine schöne Stadt ist!;-)

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