@Amy Beleg zu Fachsprachenlinguistik (Allgemeines)
Hast du vielleicht irgendwelche weiterführenden Fachliteraturhinweise/Quellen, die diese steile These belegen, Karo?
Wenn ja, bitte ich um Angabe derselben, auch wenn es sich dabei um "ordinäres Lehrbuchwissen" handeln sollte.
Die Frage nach Quellen ist berechtigt, und ja, ich habe Fachliteraturhinweise und Quellen.
Heute nur zur Fachsprachenlinguistik:
1) Roelcke, Thorsten: Fachsprachen. 3. Aufl. Berlin: Schmidt 2010.
Zum Stichwort "Eigenschaften von Fachsprachen" finde ich in meinen Exzerpten aus diesem Lehrbuch unter anderem folgende Notizen:
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"Deutlichkeit": Wortschatz muss inner- und außersprachlich angemessen sein (ko- und kontextangemessen)
"Verständlichkeit": FS ist wichtig für fehlerfreie Vermittlung fachlicher Kenntnisse, wobei fachliche Vorkenntnisse, allgemeines Weltwissen udn Verarbeitungsprozesse berücksichtigt werden müssen
"Ökonomie": Darstellungseffizienz; oftmals falsch als minimaler sprachlicher Aufwand bei maximaler fachlicher Darstellung bestimmt
"Anonymität": affektloser Stil der Wissenschaften; bestehend in einer Zurücknahme der sprachlichen Kennzeichnung des fachlichen Textproduzenten und soll den Bezug zu fachlichen Gegenständen und Sachverhalten unmittelbar herstellen. Keine Eigenschaft von FS, sondern eine Forderung, die aus einer bestimmten, kulturhistorisch gebundenen sprach- und wissenschaftsphilosophischen Position heraus erfolgt und meistens auch das Postulat der Sachlichkeit und Emotionslosigkeit formuliert.
Das traditionelle Metapherntabu, also die Vermeidung fachlexikalischer Metaphern, gilt nicht mehr. Empirisch findet eine vielfältige Verwendung fachlexikalischer Metaphern statt, die pragmatisch beherrschbar und kognitiv wichtig sind, um fachlexikalische Bedeutungen an bestehende Wissenssyteme assoziativ anzubinden.
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Für die genauen Zitate müsste ich in die Stabi gehen, mir das Buch rausholen und nachschlagen, aber der Aufwand scheint mir dann doch zu groß.
Thorsten Roelcke hat natürlich eine Website, darauf findet sich der Hinweis auf das Projekt "Terminologisierung. Konstituierung terminologischer Systeme in fachlichen Texten". Ich zitiere daraus:
"Diese allgemeine Fragestellung untergliedert sich in sechs zu bearbeitende Teilfragen: 1) Welche Struktur weist das betreffende terminologische System auf? 2) In welcher Reihenfolge erscheinen die einzelnen Termini im Text, und wie werden sie dort ggf. definiert oder semantisch erläutert? 3) Haben Abbildungen und Tabellen (sofern vorhanden) eine illustrative oder eine konstitutive Funktion? 4) Welchen Reichtum an Definitionen und Termini zeigt der Text in seinem Verlauf? 5) Gibt es zwischen den unter den ersten vier Teilfragen herausgearbeiteten Mustern Zusammenhänge? 6) Lassen sich bestimmte Muster (und deren Kombinationen) verschiedenen kommunikativen Ebenen, historischen Epochen oder Strukturen terminologischer Systeme zuordnen?"
http://thorsten-roelcke.de/pages/forschung/projekte/terminolog.php