Ja, es ist ein Jammer (Allgemeines)

Karo, (vor 3459 Tagen) @ Boggy

Das hatte ich tatsächlich nicht mehr in Erinnerung.

Das kann leicht passieren, dir, mir, uns allen, im Eifer des Gefechts.

Dann werden mir allerdings Deine Infragestellungen und Relativierungen in Deinem Eingangsstatement in diesem thread nicht mehr nachvollziehbar, wo Du das (Verantwortung, sich klar und präzise, unmißverständlich auszudrücken, Definition der Begriffe) u.a. als "normative(s) Ideal von wissenschaftssprachlicher Exaktheit, die kaum jemals mehr war als eine Fantasie bzw. eine Proklamation des 19. Jahrhunderts" sei, abtust.

Noch einmal: Ich relativiere nichts, ich stelle nichts infrage (das ist zumindest nicht meine Absicht). Der Anspruch, Begriffe (Sachverhalte etc.) möglichst klar und konsistent zu formulieren, ist nicht verhandelbar.

Wer ständig nach Belieben seine Begriffe etc. variiert, kann dies nicht mit Hinweis auf die Forschung von Thorsten Roelcke legitimieren (am allerwenigsten die Pharma; das wollte ich gestern noch als Antwort auf Amys "zu guter Letzt" schreiben, dachte dann aber, es muss jetzt auch mal gut sein).

Ich hatte den Eindruck, dass du deine Forderung nach klaren Begriffen etc. dogmatisch und normativ vertrittst, so wie dies in einer bestimmten Phase des Aufstiegs der Naturwissenschaften zur Leitwissenschaft der Fall war (auch Technik und Ingenieurswissenschaften; gemeint ist das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts).

Diese Auffassung ist eine Anleihe aus dem Buch von Olaf Briese: Angst in den Zeiten der Cholera, dort aus dem "Prolog in der Gegenwart" und in "Wissensgeschichte und Wissenschaftsgeschichte".

Das Ideal wissenschaftlicher Objektivität und Exaktheit, das damals normiert wurde, ist ja nicht mal für den kleinen Ausschnitt aus der Gesamtheit aller Wissenschaften haltbar, für den es entwickelt wurde. Und insofern mir deine Forderung nach Klarheit usw. an dieses Ideal anzuknüpfen scheint, weise ich sie zurück. Der allgemeine Anspruch, den ich oben formuliert habe, bleibt davon unberührt.

Vielleicht entsteht der Verdacht, ich würde relativieren, dadurch, dass dir der wissensgeschichtliche (nicht: wissenschaftsgeschichtliche) Forschungsansatz, auf den ich mich berufe, nicht vertraut ist.

Den Eingangstext hatte ich extra in einen neuen Thread ausgesondert, weil er streng genommen gar nichts mehr mit dem Themenkomplex "Fachsprachen" und deinem "verwirrenden Studientext" zu tun hat, sondern die benachbarte Frage nach dem dem Zusammenhang von Wissen, Wissenschaft und Literatur berührt.

Aber das möchte ich jetzt nicht auch noch näher erläutern, es wird dann alles wieder viel zu lang, schon deshalb, weil die Begriffe und Forschungsansätze wahrscheinlich unvertraut sind usw.

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