32-faches Risiko - fragwürdig? (Allgemeines)

Michael27 @, Sonntag, 10.04.2022, 14:12 (vor 37 Tagen) @ Boggy

Wenn jeder EBV-Infizierte ein 32-faches Risiko, an MS zu erkranken besitzt, wieso gibt es diese riesige Diskrepanz zwischen EBV-Infizierten (fast die Gesamtbevölkerung) und "nur" rund 250.000 an MS Erkrankten?


Jetzt wirst du schwammig/unpräzise: Nicht jeder EBV-Infizierte hat ein 32fach erhöhtes Risiko, an MS zu erkranken. Aber jeder MS-Kranke hat ein 32fach erhöhtes Risiko, vorher eine EBV-Infektion durchgemacht zu haben. Das ist ein Unterschied.


Das kann ich so nicht in der Studie lesen. Ich sehe auch nicht, wo ich unpräzise bin.

Zitat:
"Wir testeten die Hypothese, dass MS durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) verursacht wird, in einer Kohorte, die mehr als 10 Millionen junge Erwachsene im aktiven Dienst des US-Militärs umfasst, von denen 955 während ihrer Dienstzeit mit MS diagnostiziert wurden. Das MS-Risiko stieg nach einer Infektion mit EBV um das 32-fache, nicht aber nach einer Infektion mit anderen Viren, einschließlich des ähnlich übertragenen Cytomegalovirus."

Das kann ich nur so lesen, daß jeder EBV-Infizierte ein 32-faches Risiko, an MS zu erkranken besitzt.

("We tested the hypothesis that MS is caused by Epstein-Barr virus (EBV) in a cohort comprising more than 10 million young adults on active duty in the US military, 955 of whom were diagnosed with MS during their period of service. Risk of MS increased 32-fold after infection with EBV but was not increased after infection with other viruses, including the similarly transmitted cytomegalovirus.")

Du hast recht. Und ich verweise auf den Satz in meinem ersten Post:
Das ist auch bei dieser Studie der Fall. Es führt also kein Weg daran vorbei, die Studie im Original zu lesen - oder ggfs. sogar die aus den Daten der Studie im Text der Studie abgeleiteten Schlussfolgerungen zu hinterfragen.

Das klingt jetzt vermutlich arrogant, aber ich behaupte, dass die Aussage im "Abstract" der Studie, die du zitierst (und die ich in meinem ersten Post auch zitiert habe) inhaltlich falsch ist. Diese Formulierung ist eine falsche Schlussfolgerung aus den Daten ... und das hätte ich gleich in meinem ersten Post schreiben sollen.

Ich würde eine Formulierung wählen wie:
"Die Wahrscheinlichkeit, an MS zu erkranken, war nach einer EBV-Infektion um das 32fache höher als ohne eine EBV-Infektion".

Das klingt jetzt vielleicht nach Wortklauberei. Ich möchte aber einfach zu bedenken geben: Wenn eine EBV-Infektion eine notwendige Voraussetzung für eine MS-Erkrankung sein sollte, dann ist das MS-Risiko für alle vor einer EBV-Infektion 0. Man kann schlicht und einfach nicht an MS erkranken. Nach einer EBV-Infektion ist es für diejenigen ohne entsprechende genetische Voraussetzungen weiterhin Null. Für diejenigen mit den genetischen Voraussetzungen ist jetzt ein reales Risiko da.

Salopp gesagt:
Ohne EBV-Infektion kann einem nichts passieren. Wenn - sagen wir mal völlig ins Blaue hinein - 1 % der Bevölkerung an MS aufgrund genetischer Konstellation an MS erkranken könnten, dann werden es niemals und unter keinen Umständen mehr als dieses 1 Prozent sein. Sehr wohl könnte dieses 1 Prozent durch eine EBV-Infektion und ggfs. weitere Faktoren zu einem erheblichen Teil "ausgeschöpft werden".

Klar, was ich meine ?

Das liefert auch die Antwort auf deine Frage "Wenn über 90 % der Bevölkerung eine EBV-Infektion durchmachen: warum gibt es dann so relativ wenige MS-Erkrankungen ?". Weil eben z.B. der ebenfalls notwendige Faktor "genetische Voraussetzung" nur für einen geringen Teil der Bevölkerung zutrifft und von daher die potentielle Gesamtzahl ziemlich weit unten deckelt.

Michael

Tags:
EBV, Epstein-Barr-Virus


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