32-faches Risiko - mehr Kritik vom Fach (Allgemeines)

Boggy, Montag, 18.04.2022, 13:25 (vor 29 Tagen) @ UWE

Das Rätsel, warum die nahezu allgegenwärtige Exposition gegenüber EBV nur in 0,1 % der Fälle MS auslöst, bleibt jedoch ungelöst. Es wird eine genetische Erklärung vorgeschlagen, doch muss es sich dabei um ein seltenes Allel [unterschiedlichen Varianten eines Gens] handeln, da die Prävalenz des dominanten MS-Risiko-Haplotyps HLA-DR2 etwa 20 % beträgt.

Möglicherweise ist die EBV-Infektion auch nicht der Auslöser der MS, sondern prägt eher die sekundäre Immunantwort auf die primäre Myelinschädigung (2).
(…)
Folglich können wir nicht von EBV als einer "Hauptursache für MS" sprechen, sondern eher als einem führenden "Risikofaktor" für die Krankheit. Ein erweiterter Blick auf die ersten Schritte in der MS-Pathogenitätskaskade ist dringend erforderlich.

Das obige trifft meine Einschätzung am ehesten.

Das sehe ich genauso wie Du.
Und es deckt sich ja auch mit den Einwänden von Prof. Dr. Manuel Friese, (UKE), die ich bereits zitiert hatte:
"Die Studie hat nochmal die Assoziation der MS mit dem Epstein-Barr Virus (...) bestätigt. Jedoch sind über 90 % der Bevölkerung mit EBV infiziert, entsprechend kann EBV nicht der auslösende, aber ein wichtiger Faktor für die Erkrankung an MS sein."

Für mich ist auch eine andere Kommentierung wichtig, weil sie genau das Thema anspricht, mit dem ich den Thread eröffnet hatte, nämlich die Fragwürdigkeit, mit der die Behauptung eines allgmeinen 32-fachen Risikos, nach EBV an MS zu erkranken, plakaktiv und wie in Stein gehauen in die Öffentlichkeit getragen wurde.

Due Grundlage für diese Folgerung aus den Studienergebnissen sind gerade mal 35 Teilnehmer.

Das Zitat, das ich meine:
"(...) aber darauf hinweisen, dass die Schätzung des Risikoverhältnisses immer noch auf einer kleinen Anzahl von zuverlässig untersuchten Fällen und Kontrollen beruht."

Der englische Text lautet: "the estimate of the risk ratio" für übersetzt "Schätzung des Risikoverhältnisses"; man könnte "Einschätzung" übesetzen.

Ich habe den Rest der Kommentare zur Studie in den "eLetters" nur überflogen, aber da gibts noch so einiges an kritischen Einwänden, das überlegenswert ist.

Gruß
Boggy

--
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