die leidige Suche nach Ursachen (Allgemeines)

Michael27 @, Mittwoch, 01.11.2023, 13:06 (vor 38 Tagen) @ Boggy

Was mich aber - abgesehen davon - immer wieder mal beschäftigt, ist dies: bei rund 80 MIllionen Menschen in Deutschland gibt es "nur" weit weniger als 1 % Menschen, die an MS erkranken. Jede Ursachenforschung muß diese Diskrepanz erst einmal erklären können.

Da scheint man - Schritt für Schritt - immer weiter voranzukommen.

Jetzt gab es auf der ECTRIMS in Mailand (ECTRIMS = European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis), dem größten europäischen MS-Kongress, einen Vortrag von Thomas Berger aus Wien.

Hier steht eine Zusammenfassung:
https://s3.eu-central-1.amazonaws.com/m-anage.com.storage.congrex/abstracts_ectrims2023...

Eine Besprechung in multiplesclerosisnewstoday.com findet man hier:
https://multiplesclerosisnewstoday.com/news-posts/2023/10/18/ectrims-2023-new-research-...

Thomas Berger und Kollegen untersuchten rückwirkend über mehrere Jahre das Verhalten des Immunsystems von MS-Patienten und Nicht-MS-Patienten nach EBV-Infektionen.

Hier eine kurze Zusammenfassung (übersetzter Auszug aus dem obigen multiplesclerosisnewstoday-Link):
"Den Forschern zufolge verhindern normalerweise verschiedene körpereigene Regulationsmechanismen, dass der Angriff des Immunsystems gegen EBV auch gesunde Gehirnzellen angreift.
Bestimmte genetische Variationen bei Menschen sowie Variationen zwischen verschiedenen EBV-Stämmen und Infektionen mit anderen Viren scheinen diese Qualitätskontrollmechanismen jedoch weniger wirksam zu machen. Diese Erkenntnisse könnten den Forschern helfen, besser zu verstehen, warum einige mit EBV infizierte Menschen MS entwickeln, während andere dies nicht tun.
"

Mit anderen Worten: die Wahrscheinlichkeit, an MS zu erkranken, war bei Menschen mit der hier beschriebenen genetischen Ausprägung und bei den beschriebenen EBV-Stämmen 260mal höher als bei Menschen ohne diese genetische Ausprägung und bei anderen EBV-Stämmen.

Man kommt also jetzt schon sowohl innerhalb von EBV voran (konkrete Viren-Stämme) als auch in der Differenzierung und Bewertung bzgl. der konkreten genetischen Ausprägungen, die notwendig sind für eine mögliche MS-Erkrankung.

Und nach wie vor gilt natürlich: wenn bestimmte genetische Ausprägungen - wie bei der großen Mehrheit der Bevölkerung - nicht gegeben sind, kann man nicht an MS erkranken.

Auch wenn manche meinen, man sei in der Ursachenforschung bzgl. MS überhaupt nicht vorangekommen, habe ich doch den Eindruck, dass man in den letzten etwa 20 Jahren erheblich vorangekommen ist. Man kennt einen Pool von gut 200 Genen, die in Zusammenhang mit MS eine Rolle spielen, findet mehr und mehr Informationen zu einzelnen dieser Gene, kennt inzwischen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Notwendigkeit der erfolgten EBV-Infektion, weiss in etwa, was die EB-Viren (bei entsprechender genetischer Disposition) anstellen, kann das inzwischen auf konkrete EBV-Stämme runterbrechen, usw.

Und das ist nur das, was ich als Laie mitbekomme. Das finde ich schon ganz erheblich.

Michael


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