Ko- und Kontextabhängigkeit von Fachbegriffen (Allgemeines)
Hi Bennie
Ich fühle die vage Möglichkeit dass der Text den Sumpf beschreibt, in dem wir seit Jahrzehnten mit Weihe und anderen Interessenten bohren.
Boggy hatte einen Fachtext gelesen und Verständnisschwierigkeiten geschildert, die mir selbst auch sehr vertraut sind. Solche Verständnisschwierigkeiten können viele Gründe haben, oft ist auch einfach nur der Text schlecht geschrieben.
Es kann aber auch sein, dass Begriffe und Definitionen auf den ersten Blick nicht konsistent verwendet werden, was zu Irritationen führt. Es ist aber keine Ausnahme, sondern der Normalfall, dass Begriffe und Definitionen nicht konsistent verwendet werden - eben je nach Kontext variiert, gelegentlich auch innerhalb eines einzigen Textes.
Das veraltete Ideal der Fachsprachenverwendung besteht grob gesagt darin, dass es ein systematisches Inventar von feststehenden Begrifflichkeiten usw. gibt, die immer genau ein und dieselbe Bedeutung haben und auch zuverlässig so verwendet werden.
Empirische Untersuchungen haben grob gesagt zu dem Ergebnis geführt, dass dies mitnichten der Fall ist, sondern dass Begrifflichkeiten je nach Kontext ständig anders verwendet werden, also variieren können, auch innerhalb eines Textes.
In diesem Fall wird gern behauptet, die Begriffe seien "schwammig" oder so, was aber gar nicht stimmen muss - im Gegenteil, je nach Kontext können sie gerade sehr exakt sein, "passend".
Natürlich gibt es bei Definitionen jeweils einen "Bedeutungskern", der variiert wird. Und dass eine Variationen erfolgt, wird im Text meist mit irgendwelchen sprachlichen Signalen angekündigt, die erkannt und verstanden werden müssen, was nicht immer einfach ist. (Beispiel habe ich leider gerade nicht zur Hand).
Wer nicht weiß, dass Begriffe ständig variieren, und Signale im Text nicht erkennt, mit denen solche Variationen angekündigt werden, kann Verständnisschwierigkeiten haben, wie Boggy sie schildert.
Das ist Lehrbuchwissen aus der Fachsprachenlinguistik.
Dass es darauf ankäme, wie Boggy sinngemäß schreibt, an welcher Stelle eines Textes was wie geschrieben wird, ist allerdings nicht mehr als eine Binsenweisheit, die jeder Marketing-Anfänger kennt.
Es besteht aber imho auch die Möglichkeit dass das hier nur heiße Luft gespickt mit Fachbegriffen ist, wo der geneigte Leser das hinein interpretiert was er gerne lesen würde.
Ja, das kann natürlich auch sein.
P.S.: Mir fehlt als Kontext zumindest der Hintergrund von Karo.
Vor zwei Jahren oder so habe ich mich eingehender mit Fachsprachenlinguistik beschäftigt, ich war da zeitweilig in einer Art wissenschaftliche Arbeitsgruppe zu dem Thema, was Kriterien für "gute" evidenzbasierte Patienteninformationen sein können.
Zu meinem Hintergrund schreibe ich bald noch mal mehr, ich habe mich hier ja noch gar nicht richtig vorgestellt. Das hole ich nächste Woche nach, im Moment fehlt mir die Ruhe dazu.