Zufallsbefund MS - Therapie ja oder nein? (Allgemeines)

W.W. @, Donnerstag, 13.01.2022, 10:34 (vor 10 Tagen) @ LoveLikeSunset

ich (33 Jahre, weiblich) habe schon einige Beiträge mitgelesen, seit Ende letzten Jahres ein auffälliges MRT mit weißen Flecken den Verdacht auf MS aufgeworfen hat. Veranlasst wurde das MRT aufgrund meiner seit etwa 18 Jahren bestehenden Migräne mit Aura, aber auch, weil ich ab und zu eine leichte Taubheit in den Fingern spüre. Außerdem hatte ich vor Jahren mal das Gefühl von leicht einschlafenden Beinen beim Herabsehen. War aber gleich wieder weg und kam dann nicht mehr vor, daher wurde das nicht weiterverfolgt.
Nachdem dann im Dezember eine Lumbalpunktion vorgenommen wurde, habe ich gestern das Ergebnis erhalten: positive oligoklonale Bande im Liquor sowie VEP links mit Latenzverzögerung. Somit Diagnose MS.
Da ich bis auf geringe Taubheit in den Fingern Gott sei Dank noch keine Einschränkungen habe, steht die Frage im Raum, ob ich eine medikamentöse Behandlung vornehmen sollte. Meine Neurologin rät eindringlich dazu, da man somit einem schweren Verlauf und weiteren Schädigungen vorbeugen könne. Da ich bisher noch ungeimpf bin, meinte sie, dass eine Behandlung erst mit vollständiger Corona Impfung möglich sei.

Liebe Julia,

erst einmal Gratulation für Ihre gute Krankheitsschilderung. Ich gehe auch davon aus, dass Sie eine MS haben, allerdings mit kaum wahrnehmbaren Symptomen.

Nun meint Ihre Neurologin wohl, dass Ihre MS zwar durch Zufall, aber doch noch recht frühzeitig entdeckt worden sei, und dass man deshalb ihren weiteren Verlauf durch eine immunmodulierende Therapie günstig beeinflussen könne.

Das ist die gängige Meinung, aber ich teile sie nicht. Dass die MS etwas mit dem Immunsystem zu tun hat, bezweifele ich nicht, aber das Immunsystem ist ein weites Feld, und man weiß nicht, was es in Unordnung bringt, und es könnte ja durchaus sein, dass es durch ungünstige Lebensumstände ab und zu aus dem Gleichgewicht gerät, d.h., dass es sich bei der MS nicht unbedingt um eine 'Krankheit des Immunsystems' handelt, sondern dass die weißen Herde auch Ausdruck von Fehlbelastungen sein könnten.

Damit will ich die Diagnose einer MS keineswegs in Frage stellen, aber die MS scheint mir nicht recht zu den Vorstellungen zu passen, die wir normalerweise mit dem Krankheitsbegriff verbinden, weil die MS und das Immunsystem (meiner Ansicht nach) an einer Schnittstelle zwischen Körper und Seele stehen.

Sie haben Ihre Krankheitsgeschichte so geschildert, dass der normale Arzt alles kurz und bündig erfährt, was nötig ist, um die Diagnose zu stellen und was man gegen sie tun kann.

Ich persönlich meine jedoch, dass sich bei der MS der ganze Mensch hinter dem Krankheitsgeschehen verbirgt, dass es also für eine Therapieempfehlung notwendig ist, so viel wie möglich über sie zu wissen: Eltern. Schulausbildung, Beruf und besondere Belastungen, also Dinge, die den normalen Arzt nicht so sehr oder gar nicht interessieren.

Ich bin kein Psychologe und stehe psychologischen Deutungen eher skeptisch gegenüber, dennoch erscheint mir eine Analyse ihrer Lebensumstände nach dem gesunden Menschenverstand notwendig zu sein.

Sollte sich bei einer vertieften Anamnese herausstellen, dass die Ausbildung der Herde (wie z.B. auch Ihre Migräne) im Zusammenhang mit Lebensbelastungen stehen könnten, dann wäre es besser, diese anzugehen, als sich mit nebenwirkungsreichen Medikamenten behandeln zu lassen, deren Wirkung zweifelhaft ist.

Wolfgang Weihe


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