@Mimmi: Ich teile Ihre Ansichten nicht! (Allgemeines)

W.W. @, Freitag, 27.08.2021, 08:32 (vor 29 Tagen) @ W.W.

Liebe Mimmi,

alles, was ich zur MS zu sagen habe, habe ich in meinem letzten Buch zu begründen versucht. Eine bessere Begründung fällt mir nicht ein, obwohl sie jetzt auch wohl in die Jahre kommt. Aber Ihr Angriff, ich wüsste wohl nicht so genau, was ich schreibe, ist ziemlich heftig, wenn ich das so sagen darf. Darum fühle ich mich gezwungen, an dieser Stelle mich selbst zu zitieren, obwohl mir das ein wenig peinlich ist.

Vorwort zur 6. Auflage (2018)
Wenn man ein Buch in der 6. Auflage herausgibt, dann fragt man sich natürlich, ob man es nicht so lassen kann, wie es bisher gewesen ist, oder ob sich etwas geändert hat? Um es gleich vorwegzunehmen, es hat sich eine ganze Menge geändert: Die immunmodulatorische Stufentherapie ist erweitert worden, indem das CIS (klinisch isolierte Syndrom) oder die Unterteilung der rein schubförmigen MS (RRMS) in milde/moderate oder (hoch-) aktive Verlaufsformen hinzugekommen ist, und es ist jetzt Genaueres zu den neuen oralen MS-Medikamenten bekannt. Vor allem aber ist das erste MS-Medikament, das auch bei der primär chronischen MS (PPMS) helfen soll, entwickelt worden: das Ocrelizumab (Ocrevus®).

Unverändert geblieben sind die folgenden Punkte:
- Die MS verläuft unbehandelt viel besser, als in den üblichen Lehrbüchern und Zeitschriftenartikeln angegeben wird.
- Der MS-Verlauf kann oft schon in den ersten Krankheitsjahren zuverlässig vorhergesehen werden.
- Ob eine MS günstig oder ungünstiger verläuft, ist kein Zufall, sondern ist auf eine komplizierte Weise mit der Lebenssituation verknüpft.

Ich versuche in diesem Buch jede Meinung, die ich hier vertrete, durch Literaturangaben aus wissenschaftlich anerkannten Veröffentlichungen zu belegen, also durch trockene Studien, die z.B. im LANCET oder in der NEUROLOGY erschienen sind. Darum werde ich auf griffige Formulierungen aus der ÄRZTE ZEITUNG (die leider oft mit dem seriösen DEUTSCHEN ÄRZTEBLATT verwechselt wird) verzichten. Des Weiteren begründe ich meine Ansichten mit Bewertungen seitens der COCHRANE COLLABORATION, dem ARZNEI-TELEGRAMM, den beiden MS-Broschüren der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE),1 der TRIERER AKTIONSGRUPPE MULTIPLE SKLEROSE (TAG) und dem LEITLINIENWATCH, einer gemeinsamen Initiative von NeurologyFirst, MEZIS und Transparency Deutschland, die Leitlinien im Hinblick auf ihre Unabhängigkeit von Industrieeinflüssen prüfen. Erwähnen möchte ich auch, dass ich die Meinung des ärztlichen Kollegen Bernd Hontschik sehr schätze, der in der Frankfurter Rundschau wöchentlich eine Kolumne schreibt.

Ich weiß, dass es sich hierbei um sehr kritische Publikationen handelt, und ich gelte im Freundeskreis auch als überkritisch Dennoch möchte ich nicht verhehlen, dass meiner Ansicht nach die Medizin großartige Fortschritte seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gemacht hat: Hygiene, Narkose, Erregersuche, Penicillin, Schmerzmittel und vieles andere. Obwohl dies alles unbezweifelbar ist, müssen wir doch skeptisch bleiben, und unserem gesunden Menschenverstand vertrauen, denn auch die größten Fortschritte können missbraucht werden, wenn z.B. Antibiotika zu multiresistenten Keimen führen, wenn sie bei jeder Kleinigkeit eingesetzt werden. Darum ähnelt manches von dem, was ich sage, dem, was uns schon unsere Mütter und Großmütter gepredigt haben.


Ich denke, dazu kann ich immer noch stehen.

Wolfgang Weihe


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