Über Tournesol und die Logik (Allgemeines)

W.W. @, Sonntag, 02.01.2022, 12:45 (vor 218 Tagen)

Tournesol schrieb:

Ich denke, manches im Leben erscheint einem nur logisch, weil es vordergründig so aussieht, und es kann auch, je nach Sichtweise, verschiedene Logiken geben.

Da wir hier in einem MS-Forum sind, ein MS-Beispiel:
Vor kurzem habe ich bei den Amseln geschrieben, dass ich 4,5 Jahre Tecfidera genommen habe, keine Schübe hatte, es abgesetzt habe und nach ca. einem halben Jahr einen heftigen Schub bekam.

Eine Antwort war, das sei doch logisch, Tec habe bewirkt, was es sollte und der Schub sei die Folge davon, dass ich es abgesetzt habe. 'Never change a running system' schrieb er noch.

Mein Grund fürs Absetzen war anders rum: Ich hatte keine Schübe, dafür aber eine progrediente Verschlechterung. Ich dachte, wenn ich sowieso keine Schübe habe, brauche ich auch kein teures Medikament, das die verhindern soll. Aus meiner Sicht damals logisch.

Meine Neurologin meinte, wahrscheinlich sei die Wirkung von Tec nicht mehr stark genug gewesen. Dann läge der Schub daran, dass ich nichts stärkeres genommen habe. Nach ihrer Logik hätte ich eskalieren sollen, obwohl ich nie Schübe hatte und aus meiner Sicht kein Grund für ein Medikament bestand.

Jemand anders vermutete einen Zusammenhang mit der 2. C-Impfung, die ich knapp 3 Monate vor dem Schub bekommen hatte.

Vermutlich haben verschiedene Faktoren zusammengewirkt oder ich hatte vielleicht einfach einen Schub, ohne logische Erklärung.

Ich muss gestehen, dass ich davon ausgegangen war, dass es eine und nur eine Logik gibt, und dass es nur die Frage sei, ob Gott die Logik geschaffen habe oder ob sie schon vor ihm existiert hätte.

Jetzt habe ich (nicht zuletzt in diesem Forum) gelernt, dass es ganz unterschiedliche Arten von Logik gibt. Damit meine ich nicht abschätzig die 'Logik der Frauen', sondern die 'Logik des Bauchgefühls' im Gegensatz zur 'Logik des Verstandes'.

Mir gibt das, was Tournesol schreibt, viel zu denken. Renate_S. hat einmal etwas Ähnliches geschrieben, dass sie nämlich Betaferon(R) abgesetzt hätte, weil sie gedacht hätte, es würde nach jahrelanger Schubfreiheit nicht wirken, und wie sie in paar Monate nach dem Absetzen einen heftigen Schub bekommen habe, der sie auf immer in den Rollstuhl gebracht hätte.

Ich könnte mir vorstellen, dass alle diese Entscheidungen, die die Medikation bei der MS betreffen, nichts mit der Logik zu tun haben. Und ich glaube sogar, dass die Annahme, dass die Erde keine Scheibe sei, nichts mit der Logik zu tun hat. Höchstens damit, dass es gute (logische) Gründe gibt, Eratosthenes Berechnungen zu glauben.

Man muss also die Logik, dass es Vulkanausbrüche, Erdbeben und Vertauschung der Erdpole gibt (was alles irrational ist), von der Logik unterscheiden, die uns ermöglicht, der Natur Rätsel abzutrotzen.

W.W.


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